Hamburg: Mann Messer in die Brust gerammt

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Symboloto: thinkstock

24-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Von Martin Jenssen

Es geht um einen Streit zwischen zwei afghanischen Gruppen. Am Ende hätte es dabei fast einen Toten gegeben, weil der Versicherungsmakler Ali-Reza A. (24) einem Kontrahenten ein Messer in die Brust rammte. Die Tat geschah in der Nacht zum 16. November vergangenen Jahres nach einer Verfolgungsfahrt durch die Hammer Landstraße.

„Versuchter Totschlag“, so lautet die Anklage gegen Ali-Reza A., der sich zur Zeit vor dem Hamburger Landgericht verantworten muss. Kurz vor der großen Baustelle in der Hammer Straße soll der Angeklagte, der keinen Führerschein besitzt, in einem Mercedes SL den Audi 80 eines der Chefs des verfeindeten Clans ausgebremst haben. Als die Insassen beider Fahrzeuge ausgestiegen waren, soll der Angeklagte dem Beifahrer des Audi ein Fleischermesser mit einer Klingenlänge von etwa 20 Zentimeter in Höhe des Herzens in die Brust gestoßen haben.
Vor Gericht erklärte der Angeklagte, dass er in dieser Nacht der Verfolgte gewesen sei. Die Insassen des Audi hätten ihn zum Abbremsen und Aussteigen gezwungen. Dann habe er sich ein zufällig auf dem Rücksitz seines Autos liegendes Küchenmesser gegriffen und es dem Angreifer in einem Reflex entgegengestreckt. Der Beifahrer des Audi erlitt eine arterielle Thoraxwandverletzung mit inneren und äußeren Blutungen. Er wurde durch eine Notoperation in der Asklepios Klinik St. Georg gerettet.

Not-OP rettet das Opfer


Hintergrund der Tat, so der Angeklagte, sei gewesen, dass ein Familienmitglied ein Auto von der Gegner-Familie ausgeliehen hätte. Danach hätte man ein paar Schrammen an dem Auto entdeckt. Die Gegner hätten dafür eine Entschädigung von 1.500 Euro verlangt. Er selbst sei eigentlich gar nicht in den Konflikt verwickelt gewesen. Inzwischen hätten die verfeindeten Familien einen islamischen Friedensrichter eingeschaltet, der die Familien versöhnt hätte. Andere Gerüchte besagen, dass es bei dem Streit darum geht, dass jemand aus der Gruppe um Ali-Reza A. freizügige Fotos von der Freundin eines der Chefs aus der anderen Gruppe ins Internet gestellt habe.
Der Angeklagte spielte früher Fußball beim FC St. Pauli, galt als talentierter Nachwuchsstürmer. Doch eine Zyste in seinem Kopf beendete die Sportler-Karriere. Er selbst dürfe sich nicht körperlich streiten, berichtet der Angeklagte. Ein kleiner Stoß an seinen Kopf könne verheerende Folgen für ihn haben. Für den Prozess sind 16 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil fällt möglicherweise erst im
August.
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