Milde Strafe für Vereinschef

Anzeige
Vereinschef griff in die Kasse Symbolfoto: thinkstock

Er klaute Geld, das für Bedürftige bestimmt war

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Rahlstedt-Oldenfelde
Diebstahl und Untreue – so die Vorwürfe, für die sich Ingo Oe. vor dem Amtsgericht Wandsbek verantworten musste. Das Gemeine: Das Geld, die Kleidung und die Lebensmittel, die er veruntreute, waren für Bedürftige bestimmt.
Er habe bedürftigen Menschen helfen wollen, beteuerte der Angeklagte. Deshalb hatte er im Januar 2011 den „Charity Kreis Oldenfelde“ e.V. gegründet. „Ich wollte etwas machen, was der Gesellschaft hilft“, so der 46-Jährige. Als Gründer übernahm der Betriebswirt selbstverständlich auch den Vorstandsposten.
Doch ein Jahr später, wurde Ingo Oe. selbst bedürftig. „Ich war arbeitslos, hatte durch Schulden plötzlich nur noch 100 Euro im Monat, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten“, jammerte er. Kleinlaut gab er zu: „Ja, ich habe immer wieder Gelder von dem Vereinskonto für private Zwecke entnommen.“ Mehrmals suchte er auch Supermärkte auf und ließ das Geld für den Einkauf vom Vereinskonto
abbuchen. In der Silvesternacht vertraute er sich Stefanie S., der Kassiererin des Vereins an. Sie hatte immer wieder nach den Kontoauszügen gefragt und war immer wieder vertröstet worden. „Er war leicht angetrunken, als er es beichtete“, sagte die Kassiererin als Zeugin dem Gericht.
„Viele Vereinsmitglieder haben ihn damals als ‚Schweinehund‘ beschimpft“, erklärt Angelika B., die die Kleiderkammer des Vereins führte. „Aber das nützt ja keinem. Wir wollten weiter den Bedürftigen in unserer Umgebung helfen. Erst als wir dann am Dienstag, unserem Ausgabetag, in die Vereinsräume kamen und alle Kleider und Esswaren verschwunden waren, da hat es uns gelangt. Da haben wir ihn angezeigt!“ Da der Wohltätigkeitsverein nichts mehr hatte, um es zu verteilen, stellte er seine Arbeit ein. Auch die Vereinsunterlagen hatte der Vorsitzende mitgehen lassen. „Das war alles meine Arbeit, mein Knowhow“, sagte er dem Gericht. „Das wollte ich den anderen Vereinsmitgliedern nicht überlassen.“
„Was Sie gemacht haben, war totaler Mist. Sie haben viele Menschen enttäuscht, die Ihnen vertraut haben“, wetterte der Staatsanwalt. Dennoch ein mildes Urteil: Eine Geldstrafe von 960 Euro. Sehr zum Unmut der ehemaligen Vereinskollegen. Sie verlangten lautstark eine Gefängnisstrafe für ihren Ex-Vorsitzenden.
Anzeige
Anzeige
2 Kommentare
12
Beate Grune aus Wandsbek | 07.04.2016 | 11:32  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 19.04.2016 | 11:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige