Polizei Hamburg warnt vor Trickbetrügern

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Hamburgs Polizei warnt vor Trickbetrügern am Telefon Illustration: thinkstock
 
Joachim Denker und Barbara Zimmermann mit den neuen Infoblättern Foto: Hertel

Miese Abzocke am Telefon. Opfer sind meist ältere Menschen. Neues Flugblatt mit Tipps

Von Michael Hertel
Hamburg
Die Polizei warnt vor Trickbetrügern, die mit einer neuen Masche ältere Menschen um ihr Hab und Gut bringen. Erst vor wenigen Tagen konnte in Wandsbek ein 30-jähriger Mann von Fahndern des Landeskriminalamtes (LKA) vorläufig festgenommen werden. Der mutmaßliche Täter hatte eine 93-jährige sehbehinderte Rentnerin über einen längeren Zeitraum mit Anrufen überhäuft und mit einer dreisten Geschichte verunsichert. Er gab sich gegenüber der Rentnerin als Polizeibeamter auf der Spur von „betrügerischen Bankangestellten“ aus und forderte die Frau auf, Bargeld und Schmuck von der Bank zu holen und ihm zwecks Prüfung auszuhändigen. Glücklicherweise war die Rentnerin misstrauisch geworden und hatte die echte Polizei eingeschaltet. „Leider gehen nicht alle Fälle so gut aus“, berichtet Polizeioberkommissar (POK) Joachim Denker (54) vom PK 33 (Barmbek-Nord).

Opfer meist im Rentenalter


Allein aus dem Bezirk Wandsbek sind ihm mehrere Fälle aus jüngster Zeit bekannt. Opfer sind immer Menschen im Rentenalter, die Anrufern mit Höflichkeit begegnen und sich verunsichern lassen. Besonders dann, wenn sich Täter frech als Polizeibeamte ausgeben und die echte Polizei als „falsch“ oder „korrupt“ darstellen. Den Opfern werden abstruse Geschichten aufgetischt. So habe kürzlich ein angeblicher Polizeibeamter gegenüber einem Rentnerehepaar am Telefon erklärt, er sei einer Einbrecherbande auf der Spur, die ein Notizbuch mit der Adresse der Angerufenen verloren hätten. Er müsse also vor einem bevorstehenden Einbruch warnen und wollte erfahren, ob das Ehepaar größere Mengen Bargeld zu Hause habe... Nur einem aufmerksamen Haspa-Angestellten der Filiale Hartzloh hat ein Fuhlsbütteler Rentnerehepaar zu verdanken, dass es jetzt nicht völlig mittellos dasteht. Auch diese Senioren waren Trickbetrügern auf den Leim gegangen und hatten bereits ihre gesamte Barschaft in Höhe von 60.000 Euro bei der Sparkasse abgehoben. Weil der Haspa-Angestellte aber sofort die Polizei informierte, konnte der Coup der Betrüger in letzter Minute vereitelt werden.

Callcenter sitzen im Ausland


Die Täter-Anrufe kommen nach Erfahrung des Barmbeker Stadtteilpolizisten Joachim Denker aus regelrechten Callcentern, die im Ausland sitzen. Zur raffinierten Masche gehört auch der technische Trick, dass auf dem Telefon-Display des Opfers eine echte Polizeinummer auftaucht, obwohl der Anruf in Wirklichkeit von einem anderen Anschluss kommt. Die Opfer werden meist nach „alt“ klingenden Vornamen – etwa Elfriede, Bertha oder Gustav – aus dem Telefonbuch ausgewählt. In einer zweiten Eskalationsstufe sind die Täter dann direkt vor Ort aktiv. Allein in diesem Jahr musste die Polizei bundesweit bereits mehr als 500 Taten registrieren. Die Dunkelziffer ist aber wesentlich höher, da „sich viele Opfer für ihre Leichtgläubigkeit schämen. Auch sind sie oft selisch regelrecht fertig“, berichtet Stadtteilpolizistin POK Barbara Zimmermann (56) vom Polizeikommissariat 36 (Ellernreihe, Bramfeld). Die Polizei hat jetzt ein Flugblatt mit Tipps herausgegeben und rät: Lassen Sie sich nicht mit Vornamen in Telefonverzeichnisse eintragen. Überdenken Sie die abenteuerlichen Geschichten in Ruhe. Wenden Sie sich an eine Person Ihres Vertrauens oder – noch besser – gleich an die Polizei. Scheuen Sie nicht, die 110 zu wählen. Und noch ein persönlicher Tipp von Stadtteilpolizist Joachim Denker: „Verzichten Sie bei unbekannten Anrufern auf Höflichkeiten und legen Sie einfach auf.“
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 18.10.2016 | 15:13  
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