Seniorin misshandelt? Tondatei mit Klagerufen

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Hamburg-Wandsbek: Ein Pflegehelfer soll demente Senioren in einem Pflegeheim misshandelt haben Symbolfoto: thinkstock
Hamburg: Ölmühlenweg 78 |

Pflegehelfer aus dem Seniorenpflegeheim „Emilienhof“ vor Gericht. Kollegin hatte ihn angezeigt

Tonndorf/Wandsbek Eine Tonaufnahme steht im Mittelpunkt eines Strafprozesses vor dem Amtsgericht Wandsbek. Angeklagt ist ein Altenpfleger, der von Dezember 2015 bis April 2016 seine Probezeit im Seniorenpflegeheim „Emilienhof“ absolvierte. Der Vorwurf gegen den Angeklagten Pflegehelfer Jörg-Olaf G. (58): Misshandlung von Schutzbefohlenen.Der Vorwurf stützt sich vor allem auf die Aussage einer Kollegin des Angeklagten. Sylke H. (36) hatte sich am frühen Morgen des 12. April auf Socken vor das Zimmer der dementen Bewohnerin Hildegard T. (84) geschlichen. Sie beobachtete, wie ihr Kollege die schwer pflegebedürftige Frau behandelte. Als Zeugin vor Gericht erklärte sie: „Mein Kollege hat die alte Frau mit großer Wucht erst nach rechts und dann nach links geschleudert. Das Bett hat dabei gequietscht. Sie hat abwehrend ihre Hände vor ihren Körper gehalten. Da schrie er sie an: Nimm die Hände weg. Das kann ich gar nicht ab. Dabei schlug er ihr auf die Hände.“ Während der Pflegehelfer in dem Zimmer der Seniorin war, stieß die alte Frau laute Schmerzensschreie aus. Sylke H. nahm diese Schreie mit dem Tonträger auf ihrem Handy auf. Am nächsten Tag spielte sie die Aufnahmen der Heimleitung vor. Pfleger Jörg-Olaf G. wurde wenige Stunden später, noch bevor er seinen Nachtdienst antrat, fristlos entlassen.

Durchdringende Klagerufe

Auch vor Gericht spielt die Audioaufnahme mit den lauten, durchdringenden Klagerufen der hilflosen Frau eine große Rolle. Der Verteidiger des Angeklagten wollte das Abspielen der CD verbieten lassen, da die Tondatei heimlich, ohne Wissen des Angeklagten, aufgenommen worden sei. Er hatte damit aber keinen Erfolg. Schon in den Wochen zuvor hatten Sylke H. und andere Kollegen bemerkt, dass bei mehreren dementen Patienten immer wieder größere Hämatome aufgetreten waren. Sie hatten es der Heimleitung gemeldet, ohne dass entscheidende Maßnahmen getroffen wurden. Da schritt Sylke H. selbst zur Tat und machte sich an die Verfolgung des verdächtigen Kollegen.

Angeklagter: Schwierige Patientin

Vor Gericht erklärte der Angeklagte: „Frau T. war eine sehr schwierige Patientin. Wenn man sie umbetten sollte, fing sie an zu schreien und schlug um sich. Sie hat die Pfleger auch gekniffen. Auch ich habe ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Ganz sicher habe ich der alten Dame nicht bewusst weh tun wollen.“ Die Dementen-Station in dem Seniorenheim wurde inzwischen geschlossen. Der Prozess wird am 31. August fortgesetzt.
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