Tödlichen Ausweg gewählt

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Bei einem Brand in einer Wohnung starben zwei Menschen Symbolfoto: wb

Jahrelanger Mietstreit findet tragisches Ende

Von Martin Jenssen
Farmsen-Berne
Ein jahrelanger Mietstreit um eine Wohnung in einem Hochhaus am Buchnerweg in Farmsen-Berne hat am Freitagmorgen ein tragisches Ende gefunden. Zwei Menschen starben bei einem Brand in einer Wohnung im sechsten Stock. Der 83jährige Mieter Otto W. und seine schwerkranke Frau Ilse (85) sind am Rauch erstickt. Die Baugenossenschaft Dennerstraße hatte dem Ehepaar, das 47 Jahre in dem Hochhaus gewohnt hatte, die Wohnung gekündigt. Ein brisanter Fall, denn vermutlich hat Otto W. seine Wohnung selbst angezündet. In einem Fernsehbericht drei Wochen vor der vermutlichen Selbsttötung hatte Otto W. den Suizid angekündigt. Er erklärte, die ganzen Belastungen seien ihm zu viel.
Wörtlich sagte er: „Ich könnte jetzt einen Herzinfarkt kriegen und falle um. Was ist dann mit meiner Frau? Sie kann sich alleine nicht helfen, sie ist auf mich angewiesen. Das ist einer der Gründe, warum ich mir ganz klar überlegt habe, dass, wenn wir hier raus müssen, dann machen wir das so, dass wir woanders hingehen, wo uns keiner kriegen kann. Das ist Suizid, ganz einfach.“ Das Hochhaus am Buchnerweg wurde im Jahre 1967 gebaut und wird derzeit im bewohnten Zustand saniert. Es ist komplett eingerüstet. Bauarbeiter hatten am Freitagmorgen gegen sieben Uhr den Brand entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Die Feuerwehr war mit 34 Einsatzkräften vor Ort. Gegen 8.30 Uhr war der Brand gelöscht. Otto W., ein pensionierter Diplom-Ingenieur, hatte sich in den letzten Jahren sehr oft mit der Baugenossenschaft angelegt. Er machte sie – oft wohl in einem sehr harschen Ton – für den Schimmelbefall im Haus und die Asthmaerkrankungen unter den Bewohnern verantwortlich.
Der Vorstand der Baugenossenschaft erklärte, man habe mehrfach den sozialpsychiatrischen Dienst eingeschaltet, um dem Ehepaar zu helfen. Wenige Tage vor dem Brand habe man sich aber mit dem Ehepaar geeinigt. Otto W. und seine Frau seien bereit gewesen, auszuziehen. Ob das Feuer wirklich in Suizid-Absicht gelegt wurde, wird noch untersucht. Polizeisprecher Andreas Schöpflin: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Die Polizei soll auch einen Brief in der Wohnung gefunden haben. Möglicherweise den Abschiedsbrief.
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