Wirt beklaut und bedroht

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Das Opfer erhält ein Schmerzensgeld von 600 Euro Symbolfoto: thinkstock

Bewährungsstrafe für Täter nach Überfall auf Billard-Café

Von Martin Jenssen
Wandsbek
Sie wollten ihren Spaß in dem Billard-Café an der Holzmühlenstraße in Wandsbek. Und der „Deutsche“, der „Dicke“ und der „Pole“ – so nannte der Barkeeper (23) seine Gäste – hatten in der Nacht zum 15. September ihren Spaß mit Holstenbier, Jägermeister und einer in das Café bestellten Prostituierten.
„Die Gäste waren die ganze Zeit recht freundlich“, berichtete der Barkeeper dem Wandsbeker Schöffengericht, vor dem er jetzt als Zeuge aussagen musste. Doch gegen 2.00 Uhr, als er das Café schließen wollte, lernte er seine Gäste von einer anderen Seite kennen. Pascal H. (der „Deutsche“) bat den Barkeeper, seinen betrunkenen Kumpel (den „Polen“ ) vor die Tür zu bringen. Der Barkeeper tat ihm den Gefallen. Doch der „Pole“ hatte sein Handy im Gastraum vergessen. Als der Barkeeper zurückkehrt, um das Handy für den Polen zu holen, sieht er Geldscheine aus der Tasche von Pascal H. (24) ragen. Aus Kasse hinter dem Tresen fehlen 400 Euro. „Was soll der Mist!“, fährt der Barkeeper den Gast an.
Doch anstatt sich zu entschuldigen und das Geld zurückzugeben droht der Täter: „Kein Wort zur Polizei!“. Dann bekommt der Barkeeper einen Schlag aufs Auge. Der Schläger flüchtet aus dem Café, ebenso wie der „Dicke“ und die Prostituierte.
Die Polizei verfolgt viele Spuren und kann vier Wochen später den „Deutschen“ und den „Dicken“, ein Farbiger namens Heiner G. (52), in ihren Wohnungen in Jenfeld und Bramfeld festnehmen.
Pascal H. erzählt der Polizei, dass Heiner G., ehemaliges Mitglied einer Motorrad-Gang und vorbestraft wegen Rauschgifthandels, ihn zu dem Überfall gezwungen habe. Auch vor Gericht, wo er ein Geständnis ablegt, hält Pascal H. die Vorwürfe gegen den „Dicken“ aufrecht. Er habe in der Nacht des Überfalls auch die Prostituierte für Heiner G. bestellen müssen. In einem Entschuldigungsbrief an das Opfer schreibt Pascal H.: „Ich kenne es, gedemütigt zu werden und hilflos zu sein!“
Als Zeuge bestreitet Heiner G. die Vorwürfe des Angeklagten. Aus einer Nische heraus, wo er sich mit der Prostituierten aufhielt, habe er den Griff in die Kasse und den Angriff auf den Barkeeper beobachtet. Um nicht in den Fall verwickelt zu werden, sei er abgehauen. Den Vorwurf der Erpressung bestreitet er. Auf die Frage des Staatsanwalts, wovon er zur Zeit lebt, erklärt er: „Von Hartz IV – nicht von Raubüberfällen!“
Ganz ausschließen, dass der Angeklagte erpresst wurde, kann das Gericht nicht. Verantwortlich aber ist der, der den Überfall begangen hat. Es verurteilt Pascal H. zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten. Dazu kommen Geldauflagen. Er muss die geraubten 400 Euro zurückzahlen. Das Opfer erhält ein Schmerzensgeld von 600 Euro. Ein Bußgeld von 1000 Euro fließt in eine Kasse für die Opfer von Straftaten.
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