Wucherer angeklagt

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Schlüsseldienst-Mann steht wegen Wucher vor Gericht Symbolfoto: thinkstock

Schlüsseldienst-Mann verlangte 628 Euro fürs Türöffnen

Wandsbek „Verdammt, das wird teuer...“ Jeder weiß es, der seinen Hausschlüssel mal verloren hat und einen Schlüsseldienst beauftragte. Dass es teuer werden würde, war auch Lehrerin Christine M. (66) klar, als sie an einem Samstagabend um 22.30 Uhr vor ihrer Wohnung stand und bemerkte: „Der Schlüssel ist weg!“ Sie rief einen 24-Stunden-Schlüsseldienst an, rechnete mit einer Summe von 180 Euro für Anfahrt und Arbeit.

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Als dann Schlüssel-Fachmann Emil S. ihr die Rechnung präsentierte, fiel sie aus allen Wolken. Er verlangte 628,79 Euro vor ihr. Da der Mechaniker noch die Schlüssel in der Hand hielt, zahlte sie die Rechnung per EC-Karte, da sie Angst hatte, er würde ihr sonst die neuen Schlüssel nicht aushändigen. Nachdem sie sich beim Verbraucherdienst erkundigt hatte, war ihr klar, dass sie von dem Schlüssel-Mann über den Tisch gezogen worden war. Sie zeigte ihn bei der Polizei an.
Wegen „Wucher“ muss sich Mechaniker Emil S. (34) derzeit vor dem Amtsgericht Wandsbek verantworten. Er ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe immer nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet“, erklärte er und erläuterte dem Gericht dann seine komplizierte Preisliste. Bis zu fünf Unterschriften müssen die Kunden leisten, bevor der teure Servicemann zu bohren beginnt. Zum Grundpreis von 119 bis 139 Euro kommen die Anfahrgebühren, die Mehrwertsteuer, die Kosten für Material sowie Aufschläge für Sonn- und Feiertage, die zwischen 50 und 100 Prozent liegen. „Wer das nicht will, kann es ja ablehnen“, erklärt Emil S. dem Gericht.

Prozess wird fortgesetzt


Ähnlich wie Lehrerin Christine M. ging es Rentner Peter B. (73), der seine Schlüssel in seiner Ferienwohnung auf Usedom vergessen hatte. Dem ehemaligen Bankangestellten präsentierte Emil S. eine Rechnung von 599,28 Euro für etwa 40 Minuten Arbeit. Peter B.: „Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich zurück nach Usedom gefahren und hätte den Schlüssel dort geholt.“
Der Prozess wird fortgesetzt. Urteil vermutlich am 29. April. „Wucher“ kann mit einer
Geldstrafe oder sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden. (je)
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