Zuhälterkrieg in Wandsbek vor Gericht

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Verurteilung im Zuhälterkrieg in der Kurvenstraße Symbolfoto: Wandsbek

Ein Täter wurde jetzt verurteilt. Sein Zwillingsbruder und Komplize ist noch auf der Flucht

Von Martin Jenssen
Marienthal/Wandsbek
Im Frühjahr 2015 war der Zuhälter Michael B. (30) gleich zweimal als Patient in der Asklepios Klinik Wandsbek. Beim ersten Mal hatten zwei Männer vor seiner Wohnung in der Kurvenstraße (Marienthal) auf ihn geschossen. Knapp sieben Wochen später wurde er Opfer einer Messerattacke in Wandsbek.

Schießerei in der Kurvenstraße

Dramatisch, fast filmreif, war die Schießerei in der Kurvenstraße. Die Täter hatten dort am 25. März gegen Mitternacht auf Michael B. gewartet. Als er mit seinem Mercedes-S-Klasse durch die Kurvenstraße fuhr, sah er die Täter im Rückspiegel. Er verriegelte die Türen, wurde aber von zwei Schüssen getroffen. Der Türsteher aus Marienthal, der als Rausschmeißer in einem Bordell an der Großen Freiheit arbeitete, erlitt einen Durchschuss am Arm und einen Streifschuss an der Brust. Er gab Gas und fuhr mit seinem Mercedes zur Polizeiwache an der Schädlerstraße. Dort leisteten Polizisten Erste Hilfe. In einer ersten Befragung erklärte Michael B., dass die Zwillingsbrüder Amir und Hussein O., beide Mitglieder der „Eros Center Gang“, hinter dem Anschlag stecken sollten. Später nahm er diese Anschuldigung aber wieder zurück.

Ein Täter vor Gericht

Amir O. (35) wurde kurze Zeit später festgenommen. Sein Zwillingsbruder ist bis jetzt auf der Flucht. Am 25. September 2015 begann der Prozess gegen Amir O. vor dem Hamburger Landgericht. Die Verhandlung, für die zwei Monate angesetzt waren, zog sich über 14 Monate hin. Jetzt wurde endlich das Urteil gesprochen. Der Angeklagte wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. In der Urteilsbegründung erläuterte der Vorsitzende Richter die Hintergründe der Tat.
Ausgangspunkt für den „Zuhälterkrieg“ war der Streit um eine 20-jährige Prostituierte, die früher für Michael B. und später für die Brüder Amir und Hussein O. gearbeitet haben soll. Aus Verärgerung darüber, dass die junge Frau zu den Zwillingsbrüdern wechselte, soll Michael B. ein entwürdigendes Video von der jungen Frau gedreht haben. Sie kniete gefesselt in Unterwäsche auf der Straße und musste bekennen, dass sie eine „Hure“ sei und ihn bestohlen habe. Die junge Frau war anschließend nicht mehr in der Lage, als Prostituierte zu arbeiten. Die Zwillingsbrüder forderten deshalb eine Wiedergutmachung. Als Michael B. nicht zahlte, folgte die Bestrafung. Das Gericht: „Es ist nicht auszuschließen, dass Hussein O. der Mann war, der auf Michael B. gefeuert hat. Aber Amir O. war als Mittäter an der Tat beteiligt.“ Für den Messerangriff kam Amir O. nicht als Täter in Frage. Zu dem Zeitpunkt saß er in Untersuchungshaft.
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 10.12.2016 | 12:19  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 11.12.2016 | 11:49  
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