Der Meisterschwimmer aus Rahlstedt

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Curt Zeiss mit seinen fünf WM-Medaillen Foto: Hoyer

Curt Zeiss, stolze 85 Jahre alt, trumpft bei Masters-Weltmeisterschaften auf

Thomas Hoyer
Rahlstedt
98 Deutsche Meistertitel, 20 Mal Europameister, ein Sieg bei der WM 2012 - die Bilanz von Curt Zeiss war ohnehin schon beeindruckend, doch bei den diesjährigen Masters-Weltmeisterschaften der Schwimmer setzte der 85-jährige Rahlstedter seinen großartigen Leistungen die Krone auf. Viermal gewann er Gold und einmal Silber.Gleich bei seinen beiden ersten WM-Starts in Budapest trumpfte Curt Zeiss groß auf. Zunächst über 100 Meter Freistil, wo er seinen härtesten Konkurrenten, einen um ein Jahr jüngeren Russen in 1:37,65 Minuten mit fast fünf Sekunden Vorsprung auf den zweiten Platz verwies. Kaum wieder richtig bei Atem, ging es erneut ins Wasser, diesmal über 100 Meter Brust. In 2:05,79 Minuten gewann Zeiss auch diese Strecke mit zweieinhalb Sekunden vor einem Polen.

Herzschrittmacher und Aortenklappe

„Die beiden Rennen folgten fast unmittelbar aufeinander“, erzählt der Altmeister vom AMTV, der seit 2011 nicht nur mit einem Herzschrittmacher schwimmt, sondern vor einigen Jahren auch eine neue Aortenklappe erhielt. „Schade, an der ersten Siegerehrung konnte ich deshalb leider nicht teilnehmen.“ Doch war das nur halb so schlimm, denn noch dreimal schaffte Zeiss den Sprung aufs Treppchen. Gold Nummer drei und vier gab es in den darauf folgenden Tagen auf den Sprintstrecken 50 Meter Kraul (0:40,77min.), wo er im Spurt seinen favorisierten japanischen Gegner niederkämpfte, und über 50 Meter Brust (0:53,05min.). Einmal musste sich der Rahlstedter aber auch geschlagen geben, und das ausgerechnet auf seiner Paradestrecke, den 50 Meter Schmetterling, wo er in der Weltrangliste als mehrfacher Europarekordler den ersten Platz belegt und deshalb als Favorit galt.

Zu schnell angeschwommen

Doch diesmal lief nicht alles nach Plan. Statt des gewohnten Energy-Drinks gab es nur Wasser, da man Dosen nicht mit in die Halle nehmen durfte. Nervosität und eine viel zu schnelle erste Phase des Rennens ließen Zeiss auf den letzten Metern regelrecht einbrechen. Aber immerhin wurde sein großer Kampfgeist noch mit Silber belohnt. „Das war einfach eigene Dummheit, so schnell anzuschwimmen“, kann Zeiss im Nachhinein über das verpasste Gold schmunzeln. Dass es für den Oldie vom AMTV bis zu seinem Start in Budapest trotz zahlreicher Medaillen bei Europameisterschaften nur zu einem WM-Titel 2012 in Riccione über 100 Meter Brust gereicht hatte, ist vor allem dadurch zu erklären, dass Zeiss lange Flugreisen nicht besonders liebt. „Montreal und das russische Kazan, wo die letzten Titelkämpfe stattfanden, das war mir einfach zu weit“, so der 85-Jährige, der noch lange nicht ans Aufhören denkt. „Schwimmen tut meiner Gesundheit gut, nicht nur in körperlicher, sondern auch in mentaler Hinsicht. Ich muss aber nicht mehr an jedem Wettkampf teilnehmen.“
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