Ein Sport für harte Kerle

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Karsten Kretschmer (vorne), der „Hamburger Jung“, und Fabian Neitzel als strenge Beobachter beim TrainingFotos: Je (1), wb (2)
 
Karsten Kretschmer, 38, Weltmeister im Schwergewicht

Im Wrestling-Stall in Wandsbek trainiert auch ein Bundestagsabgeordneter

Von Martin Jenssen
Hamburg. Alle fünf Sekunden knallt es gewaltig. Massige Muskel-Männer wirbeln durch die Luft und landen dann krachend auf dem Rücken. Die kräftigen Kerle trainieren das „Fallen“. Sich richtig fallen lassen zu können, ist eine Grundvoraussetzung für den Sport, den sie ausüben: das Wrestling. Den Ausdruck „Catchen“ mögen die Sportler nicht gerne hören.
„Weicheier“ sind es nicht, die Männer, die das Fallen üben. Auf ihren T-Shirts steht der Spruch: „Der Schmerz ist dein bester Freund!“ Die Sportler müssen, egal ob im Training oder im Wettkampf, verdammt viel aushalten. Es ist eine Schinderei für die Freude am Sport, denn mit großem Verdienst durch hohe Gagen kann keiner der Kämpfer rechnen.
Sport mit Zukunft
„Dennoch ist Wrestling ein Sport mit Zukunft. Er ist vor allem bei jungen Leuten angesagt“, meint Karsten Kretschmer (38), Weltmeister im Schwergewicht (bis 110 kg). Kretschmer ist der Chef vom Nordisch Fight Club an der Walddörfer Straße 332. An dieser Adresse residierte einst der Universum Boxstall mit den Klitschkos und vielen anderen Stars. Seit 2011 gibt Kretschmer dort den Ton an. „Auf der Stelle trippeln. Haltet euch warm!“, befiehlt er zehn Ringern und einer jungen Dame. So trippeln die Wrestler mit beiden Beinen auf der Stelle, bis sie an der Reihe sind, in den Ring zu steigen, um dann laut klatschend auf dem Rücken zu landen.
Mehrmals im Jahr finden große Wrestling-Kampfabende in der Halle an der Walddörfer Straße statt. Bis zu 350 Zuschauer finden sich dazu ein. Beliebt an den Veranstaltungen ist vor allem, dass es nicht so „bierernst“ zugeht.
Kämpfe und Show
Mit den Ringkämpfen ist auch eine Show verbunden. Erfolgreiche Kämpfer müssen nicht nur sportlich total fit sein, sie müssen auch schauspielerisches Talent mit bringen.Doch anders als in den USA, wo meist der Sieger schon vor dem Kampf feststeht, wird bei den Kämpfen in Hamburg nichts abgesprochen. Auch wenn Show dabei ist, wird der Sieg fair ausgekämpft. Der bessere Sportler soll gewinnen.
Kretschmer selbst wird seinen Weltmeister-Titel am 7. Dezember verteidigen. Er trägt als Kämpfer den Namen „Hamburger Jung“. Wenn ihm sein Gegner auf der Schulter liegt, verspricht er ihm schon einmal eine „Hamburger Hafenrundfahrt“. Dann wird der Gegner durch die Luft gewirbelt bevor er krachend auf dem Boden im Ring landet.
Einer der prominenten Schüler des Weltmeisters ist Matthias Ilgen (29), der als SPD-Abgeordneter aus Husum bei der Bundestagswahl ein Mandat in Berlin errang. Während seiner Studienzeit in Hamburg hatte sich Ilgen bei der SPD in Billstedt engagiert. In seiner Freizeit übte er das Fallen und Catchen in der Wandsbeker Wrestling-Schule. Als Fighter mit dem Kämpfer-Namen „Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen“ machte er auf der Ringer-Bühne Karriere. Im Ring verkörpert er die Rolle des „Fieslings“. Auch er darf sich Weltmeister nennen, denn er gewann eine Weltmeisterschaft im Team-Wrestling.
Durch den Wechsel auf die politische Bühne in Berlin, hat „Freiherr Ilgen“ den Sport vorerst zurückgestellt. Kretschmer ist überzeugt, dass die Hamburger Zuschauer den Bundestagsabgeordneten aber bald wieder im Ring sehen können.
Der Nachwuchs
Unterdessen hat sich neues „Riesentalent“ im Wrestling-Stall an der Walddörfer Straße herausgebildet. Es ist der erst 15-jährige Fabian Neitzel alias „Vincent Heisenberg“ (so sein Kämpfer-Name). „Der Schüler hat Chancen auf eine große Karriere in diesem Sport“, glaubt Kretschmer. Genau wie Ilgen kommt „Vincent“ aus Schleswig-Holstein. Allerdings sind die Weg zum Training nicht allzu weit, denn seine Familie wohnt in Ammersbek. „Vincent“ wird dienstags und donnerstags meist von seiner Mutter zum Training gefahren. Am 26. Oktober wird der groß gewachsene junge Mann seinen ersten „Profi-Kampf“ bestreiten. Kämpfer „Vincent“: „Wenn ich im Ring stehe, bin ich so auf den Kampf konzentriert, dass ich von dem Spektakel, das rundherum stattfindet, fast nichts mehr mitbekomme.“

Wrestling-Show am Sonnabend, 26. 10. , 20 Uhr, Halle an der Walddörfer Straße. Einlass ist ab 19 Uhr. Eintrittskarten sind ab 10 Euro im Vorverkauf erhältlich. nordischfightclub
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