Hamburg: In der Tradition der Samurai

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In dieser Szene bringt der Trainer Wolfgang Bodendiek des TSV Hohenhorst seinen Schüler Danny Kensa mit einer Wurftechnik zu Fall Fotos: Thomas Hoyer
 
Wolfgang Bodendiek ist mit 68 Jahren topfit.

Wolfgang Bodendiek hat sich dem Jiu-Jitsu verschrieben. Heute ist er Trainer in Hohenhorst

Von Thomas Hoyer
Hamburg. Ein ganz besonderes Jubiläum feiert Wolfgang Bodendiek vom TSV Hohenhorst: Fast auf den Tag genau 50 Jahre ist es her, dass der Farmsener seine große Leidenschaft für Jiu-Jitsu, die japanische Selbstverteidigungskunst entdeckte.

Der Sport allerdings spielte in Wolfgang Bodendieks Leben zunächst keine besondere Rolle. „Ich habe, wie es so üblich war, mit Kindern aus der Nachbarschaft auf der Straße Fußball gespielt. Mehr nicht“, erinnert sich der gebürtige Wandsbeker. Das sollte sich 1964 dann allerdings gründlich ändern, als Wolfgang Bodendiek an einer Veranstaltung seines Lehrbetriebs teilnahm, bei der Jiu-Jitsu und Karate in Praxis und Theorie vorgestellt wurden. Der damals angehende Maschinenschlosser, der später 40 Jahre für ein Unternehmen arbeitete, das Röntgengeräte für die Industrie und Schweißmaschine für Kunststofffenster herstellte, war neugierig geworden und wollte sich sofort für eine Karate-Trainingsgruppe der damaligen Sportschule Fujiyama anmelden.

Da dort aber keine Plätze mehr frei waren, begann er mit Jiu-Jitsu. „Gleich von Beginn an hat mich die wahrscheinlich von den Samurai stammende Selbstverteidigungskunst und ihre große Körperherrschung fasziniert“, so Bodendiek. „Hebt man im Normalfall bei einem Angriff die Hände schützend vor das Gesicht, sieht man dem Gegner beim Jiu-Jitsu direkt in die Augen, weicht geschickt aus und versucht eine Kontertechnik anzusetzen.“ In folgenden Jahren vertiefte Wolfgang Bodendiek seine Kenntnisse immer mehr, legte die verschiedenen Gurtprüfungen ab, die schließlich mit dem 1. Dan einen vorläufigen Höhepunkt fanden. 1980 übernahm er dann eine Sportschule in der Kleinen Reichenstraße/ City, die er nach Abriss des Hauses zehn Jahre später nicht wieder eröffnete, da die Konkurrenz inzwischen sehr groß geworden war.

Töchter in Karate top

Auch Anja und Maike, die beiden Töchter von Wolfgang Bodendiek ließen sich von der Begeisterung ihres Vaters anstecken, wobei sie dabei aber etwas „fremd gingen“ und Karate erlernten, das im Gegensatz zum Jiu-Jitsu auch als Wettkampfsport betrieben wird. Beide Mädchen kämpften sich ins Rampenlicht, wobei es Anja bis zur Vizeeuropameisterin im Wado-Ryu-Karate brachte. Vater Wolfgang stand hingegen nur Trainingspartnern gegenüber. Medaillen konnte der Vizepräsident der Hamburger Jiu-Jitsu Union sich auf der Matte nicht verdienen. Dafür rührte er aber umso mehr die Werbetrommel für Jiu-Jitsu, sei es bei Sportveranstaltungen und Straßenfesten. „Einmal allerdings kam ich in eine unangenehme Situation, wo meine Fähigkeiten gefragt waren“, erzählt der sympathische Sportler. „Ich war mit vier Trainerkollegen auf dem Hamburger Dom unterwegs, als uns eine doppelt so große Gruppe Jugendlicher bedrängte und aggressiv wurde. Einer von ihnen landete schnell auf dem Boden, worauf sich alle verdrückt haben.“

Nach der Schließung seiner Sportschule trat Wolfgang Bodendiek Okulai e.V. bei, der sein Trainingszentrum in der Otto-Hahn-Schule hat. 2001 sah es dann aber so aus, als würde seine Sportkarriere ein jähes Ende finden. Während der Arbeit sah er plötzlich alles doppelt. Die Ärzte diagnostizierten einen leichten Schlaganfall, doch schon ein halbes Jahr später stand Bodendiek wieder auf der Matte. Mittlerweile ist der Farmsener als Trainer einer Jiu-Jitsu-Gruppe des TSV Hohenhorst tätig. „Das macht nicht nur Spaß, sondern hält mich auch fit“, so der 68-jährige Träger des 6. Dans.
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