Kriegsdrama als Komödie im Fährhaus

Wann? 29.01.2017 bis 31.01.2017

Wo? Hudtwalckerstraße 13, Hudtwalckerstraße 13, 22299 Hamburg DE
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Auf der Flucht im Automobil durch Frankreich (v.l.): Szabuniewicz (Walter Plathe), Jacobowsky (Marcus Ganser) und Oberst Stjerbinsky (Michael von Au) Foto: Oliver Fantitsch
Hamburg: Hudtwalckerstraße 13 |

In Winterhude läuft bis Ende Februar das Theaterstück „Jacobowsky und der Oberst“

Winterhude Bomben über Paris. Im ungeschützten Keller eines Hotels sitzen einige Gäste zwischen Bangen und Hoffen. Wir schreiben das Jahr 1940. Die Deutschen, die „Boches“, stehen vor der Stadt. Wie ein Kriegsdrama beginnt Franz Werfels bekanntestes Theaterstück „Jacobowsky und der Oberst“, jetzt zu sehen in der „Komödie Winterhuder Fährhaus“. Doch die Tragödie der französischen Niederlage und der daraufhin einsetzenden Fluchtbewegungen aus Paris verarbeitete Werfel, der selbst 1940 durch Frankreich über Spanien nach Lissabon flüchtete, um von dort in die USA zu gelangen, zu einer „Komödie einer Tragödie“. Denn er schildert die Flucht von vier ganz gegensätzlichen Menschen, die ein Team bilden müssen, um den Deutschen zu entkommen.

Turbulente Flucht

Der in Polen geborene und in Deutschland aufgewachsene jüdische Pfiffikus Jacobowsky, zum fünften Mal auf der Flucht, hat ein Auto gekauft, das er nicht fahren kann, und das nun vom polnischen Oberst Strjerbinsky in Begleitung seines Adjutanten Szabuniewicz gesteuert wird. Strjerbinsky, dessen Einheit an der Somme aufgerieben wurde, ist in geheimer Mission unterwegs. Dem gefällt der geschickte, schelmische Jude überhaupt nicht, denn erstens ist er erklärter Antisemit und zweitens mimt er bitterernst den aufrechten Mann der Ehre, soldatisch von Kopf bis Fuß. Doch nur Jacobowskys Tricks und Schlichen hat er es am Ende zu verdanken, dass er schließlich ein Schiff nach England besteigen kann. Auf der turbulenten Fahrt durch Frankreich, in dessen Verlauf der Oberst einen Abstecher zu seiner Geliebten Marianne machen muss, die gleich mitgenommen wird, entwickelt sich eine von pointenreichem Wortwitz getragene Komödie.

Großartige Darsteller

Getragen vor allem von den großartigen Hauptdarstellern, allen voran den Vollblutkomikern Marcus Ganser (Jacobowsky) und Walter Plathe, der sowohl Szabuniewicz als auch einen Erzähler spielt, der die vielen kleinen Szenen im gemütlichen Plauderton miteinander zu verbinden weiß. Ein belebender Einfall von Regisseur Jürgen Wölffer, ebenso wie die ganz offenen Umbauten während der Erzähler parliert. Weltliteratur – überzeugend in neuer Fassung in der Komödie.

„Jacobowsky und der Oberst“: bis 26. Februar, Komödie Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 1, Telefon 480 680 80
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