Kita-Gründung in Barmbek geplatzt

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100 Wohnungen und keine Kita: Alla Semenova mit ihren Kindern Imen (6), Maja (2) und Baby Alya. Die Barmbekerin hat viel Arbeit in die Planung einer Kita investiert, die sie im Neubau (im Hintergrund) eröffnen wollte Foto: Busse
Hamburg: Am alten Güterbahnhof |

Trotz Mietvertrags-Entwurf und Vorgesprächen: Eigentümer sagt plötzlich ab

Von Christina Busse
Barmbek/Winterhude
„Zu vermieten“ steht groß auf dem Schild, das ein Immobilienmakler in einem der vielen Schaufenster aufgestellt hat. Dahinter: Rund 860 Quadratmeter Leerstand. Seitdem das Wohn- und Geschäftshaus am Alten Güterbahnhof 1, Ecke Hellbrookstraße im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde, sind die Gewerberäume im Erdgeschoss ungenutzt. Sehr zum Ärger von Alla Semenova.

Zu wenig Kita-Plätze in Barmbek


Die Barmbekerin hatte schon im Juli 2016 die Immobilie besichtigt. Sie war auf der Suche nach geeigneten Räumen für eine Kita, die sie neu gründen wollte. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Kita-Plätze Mangelware sind: Tochter Imen (6), geht nicht, wie gewünscht, in einen Kindergarten, sondern in die Vorschule. Maya (2) wird von einer Tagesmutter betreut. Seitdem in Barmbek viele neue Wohnungen entstehen, ziehen viele junge Familien zu. Bestehende Kitas sind ausgelastet. Eine lange Warteliste ist eher die Regel als die Ausnahme.

Start der Detailplanung nach erster Zusage


Die Räume in dem Neubauquartier am Stadtpark wären optimal für eine Kita geeignet, findet Alla Semenova. Ein Konzept hatte die ausgebildete Pädagogin, die zudem Wirtschaft studiert hat, bereits ausgearbeitet: Insgesamt 113 Kinder sollten im Krippen- wie Elementarbereich betreut werden, es sollte Deutschförderstunden für Kinder ausländischer Eltern geben, darüber hinaus sollte der Alltag zweisprachig gelebt werden – neben Deutsch sollte wahlweise Englisch, Russisch oder Französisch gesprochen werden. „Nachdem wir vieles mit dem Immobilienbüro besprochen und geklärt hatten, unter anderem unser Finanzierungskonzept dargestellt hatten, bekamen wir im Oktober die Zusage. Es gab schon einen Mietvertrags-Entwurf in letzter Version“, berichtet Semenova. Hochmotiviert machte sich die Mutter von zwei Kindern, ein drittes war zu der Zeit unterwegs, zusammen mit einem Architekten an die Detailplanung, gründete einen Kita-Trägerverein, die Kidspace SA GmbH. Gleichzeitig wandte sie sich mit ihrem Vorhaben an die BASFI, die Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, die eng mit Kita-Gründern zusammenarbeitet und ihnen beratend zur Seite steht. „Bis hin zu den einzelnen Steckdosen war alles geplant. Im Dezember war alles bereit zur Vertragsunterzeichnung, aber der Termin wurde immer wieder aufgeschoben“, erzählt Alla Semenova.

Plötzliche Absage im Februar


Anfang Februar dann der Schock: Der Immobilienbesitzer sagte ab. „Es hieß, der Eigentümer, die Quantum Immobilien Kapitalanlagegesellschaft mbH, wolle keinen Neugründer, keine Kita. Dabei war das alles seit Monaten bekannt“, betont Semenova. Sollte ihre ganze Arbeit umsonst gewesen sein? „Ich habe fünf Monate Vollzeit daran gearbeitet, viel Mühe, Geld und Zeit investiert. Die Kita könnte jetzt bereits eröffnet sein“, sagt sie. Da sie bei der BASFI als Gründerin geführt wird, wird sie immer wieder von Eltern kontaktiert, die einen Kita-Platz suchen. „Der Bedarf ist da“, weiß sie.

Flächen für Kitas sind rar


Aber geeignete Flächen sind rar. „Die Immobilienfrage ist ein großes Problem. Es ist wirklich sehr schwierig“, bestätigt Sarah Knirsch, Geschäftsführerin von Kindermitte, einem Verein für soziales Unternehmertum und Qualität in der Kindertagesbetreuung. Fehlende Außenflächen und die Sorge der Vermieter vor möglicher Lärmbelastung spielten eine Rolle. Hinzu kommt: Obwohl in größeren Neubaugebieten immer auch eine Kita eingeplant werde, hätten Neueinsteiger weniger Möglichkeiten als etablierte Betreiber, an entsprechende Informationen zu kommen. „Junge Menschen mit sozialunternehmerischem Geist werden ausgebremst“, bilanziert Knirsch. Ein Mitarbeiter von Engel & Völkers Immobilien bestätigt: „Geeignete Flächen für Kitas sind sehr, sehr rar. Gleichzeitig haben wir sehr viel Anfragen für alle Stadtteile.“

Kita-Mieter sind konstante Mieter


Sarah Knirsch hat die Erfahrung gemacht, dass Eigentümer, die den ersten Schritt gemacht haben und bereits an eine Kita vermieten, Interesse daran zeigen, die Zusammenarbeit auszubauen. „Sie bieten den Kita-Trägern neue Räume an“, weiß sie. Die BASFI rät Neugründern, aktiv den Kontakt zu Investoren aufzunehmen. Schließlich handelt es sich um eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Eine Kita als Mieter gilt als konstante Einnahmequelle, Schließungen sind so gut wie nicht bekannt. Deshalb gibt auch Alla Semenova trotz der Enttäuschung nicht auf. Die Powerfrau hält weiter Ausschau nach geeigneten Räumen, bevorzugt in Barmbek-Nord, aber auch in ganz Hamburg – und hat hoffentlich bald einen Fuß in der Tür.
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