Auch mit 65 ein Mann neuer Klänge

Anzeige
Gottfried Böttger, Honorarprofessor für Digitale Audiotechnik, spielt an diesem Klavier bei seiner Geburtstagsgala Foto: stb

Jazz-Legende Gottfried Böttger im Wochenblatt-Interview. Am Sonnabend feiert er musikalisch in seinen Geburtstag

Von Stella Bandemer
Gottfried Böttger feiert am Sonnabend, 20. Dezember, im Saal des Park Hotels und im Marstall in seinen 65. Geburtstag hinein. Im Wochenblatt-Interview spricht er über seine musikalischen Anfänge, den Musikclub „Onkel Pö“ und über die Zukunft.
Wochenblatt: Wann begann Ihre Liebe zur Musik?
Gottfried Böttger: „Als ich drei Jahre alt war, stand ich am Zaun im Garten meines Elternhauses in Hamburg-Fuhlsbüttel und war fasziniert von der Musik von nebenan, Oldtime Jazz. Außerdem war mein Vater Geiger. Bei uns fanden oft Hauskonzerte statt. Mit fünf Jahren spielte ich einfache Lieder wie ,Hänschen Klein‘ auf dem Klavier. Als ich sechs war, bekam ich klassischen Klavierunterricht bei Prof. Robert Henry. Mit neun Jahren spielte ich bereits Beethovens Sonatine in G-Dur.“
WB: Wann gründeten Sie Ihre erste Band?
Böttger: Erst spielte ich Klassik. Seit meinem elften Lebensjahr interessierte ich mich auch für moderne Musik. In der St. Johannis Kirche in Harvestehude bekam ich Konfirmandenunterricht. Am Klavier im Keller der Kirche begann ich Lieder von Jelly Roll Morton, von dem ich eine Platte geschenkt bekommen hatte, zu üben. Das waren unglaubliche Songs! Ich übte heimlich, da ich von meinem Vater aus die Lieder eigentlich nicht spielen durfte. Dort gründete ich mit 13 Jahren meine erste Jazz-Band, die „Churchyard“, mit der ich auch erste Erfolge hatte.“
WB: Welche Idole hatten Sie in Ihrer Jugend?
Böttger: Jelly Roll Morton, einer der Größten im Jazz. Ich hörte aber auch gerne die frühen Beatles und die Rolling Stones, denn die hatten damals viel mit dem Blues gemein, den ich so mag.
WB: Warum haben Sie Naturwissenschaften studiert und nicht Musik?
Böttger: Als ich 20 Jahre alt war, konnte ich noch nicht das studieren, was mich musikalisch interessiert hätte. Es gab kein Jazz-Studium in Hamburg. Erst vier Jahre später wurde in Köln der erste Jazzmusik-Studiengang initiiert. Auch die Naturwissenschaften haben mich interessiert. Außerdem kann man beispielsweise das Schwingen der Saiten, einmal naturwissenschaftlich oder auch musikalisch betrachten. Ich beschäftigte mich später viel mit Synthesizern und momentan mit der Erzeugung neuer Klänge. Neben dem Studium habe ich außerdem trotzdem die ganze Zeit Musik gemacht.
WB: Wie war die Zeit im Hamburger Szenelokal ,Onkel Pö‘?
Böttger: „Das war wirklich die verrückteste Zeit. Ich spielte dort mit meiner Band Leinemann. Später kam auch Udo Lindenberg, der damals noch in München wohnte, ins Pö. Denn jeder, der wirklich Musik machte, kam dort hin. Udo ist dann auch bei uns in die WG eingezogen. Er hatte das Zimmer neben mir. Auch Otto Waalkes, Marius Müller-Westernhagen wohnten bei uns. Mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll hatte die Zeit aber nicht so viel zu tun. Zwar hatte man mal ein Mädchen, aber keine Drugs. Es ging uns nur um die Musik.
WB: Wünschen Sie sich manchmal in vergangene Momente zurück?
Böttger: Nein, denn es gibt kein Zurück. Natürlich würde ich ein paar Sachen anders machen. Aber ich denke, man sollte sich die Zeit so erhalten, wie sie war und stattdessen nach vorne schauen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige