Ahrensburg droht ein Verkehrsinfarkt

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Will nicht aufgeben: Werner Haering kämpft seit Jahren für eine Umgehung Foto: fnf
Ahrensburg: Lübecker Straße |

Bürgerinitiative fordert seit Jahren Umgehungsstraße für die Lübecker Straße – bisher vergeblich

Von Finn Fischer
Aahrensburg
Sollte nicht gehandelt werden, könnte Ahrensburg in den nächsten Jahren ein Verkehrsinfarkt drohen, warnt die Interessengemeinschaft Ahrensburg Nord-Ost (Igano): Für die jetzt schon überlastete Lübecker Straße prognostiziert ein Gutachten in den nächsten Jahren ein tägliches Verkehrsaufkommen von 25.000 Fahrzeugen – 6.000 mehr als aktuell.Seit Jahren setzt sich die Bürgerinitiative Igano für den Bau einer Umgehungsstraße ein, die eine Entlastung bringen soll. Doch immer wieder müssen die Anwohner an der Lübecker Straße Rückschläge hinnehmen.

Ein Don Quichotte-Kampf



Ein bisschen gleicht Werner Haerings Kampf gegen das immer größer werdende Verkehrsaufkommen dem Don Quichottes gegen die Windmühlen. 2008 gründete der Ahrensburger mit weiteren Anwohnern die Interessengemeinschaft, versucht Lokalpolitik zum Einlenken zu bewegen. Offene Briefe an Verwaltung und Lokalpolitiker, Stellungnahmen, Zeitungsartikel und Gutachten füllen heute ganze Ordner. Es geht um die Lübecker Straße – L82 (ehemals B75). Derzeit sind auf dem Abschnitt täglich rund 19.000 Fahrzeuge unterwegs. Damit ist die Straße schon jetzt an der Grenzen ihrer Belastbarkeit. „Um hier von unserer Ausfahrt zu kommen, müssen wir manchmal über 100 Fahrzeuge passieren lassen“, berichtet Haering. Gefühlt habe der Verkehr hier in den vergangenen Jahren zugenommen. Vor allem morgens und abends während der Rushhour sei die Blechlawine unerträglich geworden.

Politik muss eingreifen


Ohne Eingriffe in das Straßennetz würde das Verkehrsaufkommen nach Fertigstellung der Gewerbegebiete Nord und Beimoor Süd und dem Neubaugebiet Erlenhof werktags auf 25.000 Autos und Lastwagen anwachsen. Zu dem Schluss kommt ein von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten. Doch die Politik kann sich nicht auf eine Lösung einigen. „Ahrensburg hatte die Chance, eine Nordtangente für acht Millionen Euro zu bekommen“, sagt Haering. Abzüglich Fördergelder in Höhe von sechs Millionen Euro. Sogar in Delingsdorf – die Umgehungsstraße war teilweise über deren Hoheitsgebiet geplant – stimmte man der Variante zu, bei der der Verkehr die 900 Meter lange Nordtangente (L82 – Kornkamp – Kornkamp-Süd - Ostring) rund 7.000 Fahrzeuge hätte ableiten können. Doch nur SPD und Teile der CDU stimmten für die Gebietsübernahme. Das war 2012. Seitdem hat sich nicht viel getan, das den Bau vorantreiben würde. Seitdem kommen aus „unerfindlichen Gründen“ (Haering) Alternativ-Varianten zur Sprache, die wesentlich teurer sind und weniger Verkehrsaufkommen bedienen.

Verkehr hat Folgen für alle Ahrensburger


„Ich habe das Gefühl, dass hier gerne der zweite vor dem ersten Schritt gemacht wird“, sagt Haering und meint damit das Neubaugebiet Erlenhof, die Erweiterung des Gewerbegebiets Nord um 42 Hektar (Beimoor-Süd) am Ostring und das Fachmarktzentrum „Kornkamp-Park“ – alles Projekte, die noch mehr Verkehr erzeugen. „Und das betrifft nicht nur uns Anwohner an der Lübecker Straße, sondern alle Ahrensburger“, so Haering. Der Verkehr werde sich immer mehr auch auf die Innenstadt auswirken. Die Idee eines verkehrsberuhigten Stadtkernes könne ohne Umgehungsstraße nicht umgesetzt werden. In den nächsten Wochen und Monaten will der Ahrensburger mit seinen Mitstreitern Unterschriften sammeln und über das Projekt informieren – in der Hoffnung, dass die Lokalpolitik doch noch einlenkt. Derzeit habe er das Gefühl, dass es hier weniger um Fakten gehe und mehr um Gesinnungspolitik und persönliche Befindlichkeiten.

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