Bahnhof Oldesloe nicht barrierefrei

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Yannick Thoms (l.) und Britta Bussewitz, vom Beirat für Menschen mit Behinderungen, zeigen wie schmal die Bahnsteigkante ist

Behindertenbeirat beklagt Enge und Unübersichtlichkeit

Bad Oldesloe. Menschen mit Rollstuhl oder mit einer Sehbehinderung haben es am Bad Oldesloer Bahnhof schwer. Schon vor dem Haupteingang fallen Britta Bussewitz und Yannick Thoms, Mitglieder im Behindertenbeirat, die ersten Mängel auf.
„Die Poller sind vor allem in der Dunkelheit sehr gefährlich für Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen“, sagt Yannick Thoms. „Die sollten mit gelben Spitzen gekennzeichnet sein.“
In der Vorhalle fehlt auch etwas: „Hier sollte es ein Reliefplan vom Bahnhof geben, um sich orientieren zu können. Außerdem fehlen Leitstreifen am Fußboden, die den Weg zu den Schalten, Fahrkartenautomaten und Aufzügen zeigen“, sagt Britta Bussewitz, die durch ihre Sehbehinderung auf Blindenhund und Taststock angewiesen ist. Gut findet Jannick Thomas die Aufzüge, dessen Knöpfe mit Blindenschrift versehen sind. Außerdem kommentiert eine Audioansage den jeweiligen Aufenthaltsort der Aufzug-Zelle.
Im Tunnel, der unter den Gleisen hindurch zu den Bahnsteigen führt, fehlt ein Leitsystem für Blinde. Auch Hinweise auf Gleisnummern in Blindenschrift sind nicht vorhanden. Richtig gefährlich wird es auf dem Bahnsteig. Dort fehlen die Reliefplatten, mit dessen Hilfe Sehbehinderte vor der nahenden Bahnsteigkante gewarnt werden sollen.
„Das ist ein wirklich großes Sicherheitsrisiko. Das entspricht auch lange nicht mehr der Norm für Neubauten“, sagt Yannick Thoms. Leider müssen Altbauten nicht nachgerüstet werden. Das geht zu Lasten der Sicherheit. Ähnlich gefährlich gestaltet sich für Rollstuhlfahrer der Aufenthalt auf dem Bahnsteig. Der Aufzug kommt zwischen den beiden Treppenaufstiegen an. Von dort aus müssen die Gehbehinderten bis zum Ende des Zuges fahren, wo sich die Fahrradwaggons befinden. Um dorthin zu gelangen, müssen sie sich an den Stützpfeilern des Daches vorbei zwängen, eine Handbreit entfernt von der Bahnsteigkante.
Bis vor kurzem war dort noch ein Schild mit der Aufschrift „Für Rollstuhlfahrer nicht geeignet“ angebracht. Mittlerweile ist es abgeklebt. Yannik Thoms: „Rollstuhlfahrer haben keine andere Wahl, als über den Sperrbereich zu fahren. Das gilt im Übrigen auch für Mütter mit ihren Kinderwagen.“ Im Trubel können dabei gefährliche Situationen entstehen. Die Tatsache, dass das Dach seit Jahren mit provisorischen Pfeilern abgestützt werden muss, verstärkt die unübersichtliche Lage.
Es besteht viel Handlungsbedarf. Eigentlich hatte die Deutsche Bahn in einem Schreiben an Marion Janssen, die ehemalige Vorsitzende des Behindertenbeirats, bis Ende 2011 ein Leitsystem für Blinde zugesagt.
Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis macht Hoffnung: „Im Zuge der Sanierungsmaßnahme muss das Leitsystem für Blinde mit betrachtet werden. Der Baubeginn ist für 2015 geplant. Aufgrund des Denkmalschutz sind sehr aufwendige Baumaßnahmen erforderlich und damit auch sehr viel Aufwandsmittel und umfangreiche Planungen im Vorwege zu machen.“ (fnf)
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