Bargteheider mischt Musik für Helene Fischer ab

Anzeige
Florian Arndt in seinem Tonstudio in der HafenCity Foto: Jenjahn

Musikproduzent Florian Arndt arbeitet in der HafenCity Hamburg und lebt seine Freiheit in der Musik aus

Von Olaf Jenjahn
Bargteheide/Hamburg
„Eigentlich bin ich ein schlechter Gastgeber. Ich habe nur ein paar Kekse und Apfelsaft da. Aber ich bin fast nur zum Arbeiten hier“, sagt der Bargteheider Musikproduzent Florian Arndt und führt den Besucher in ein kleines Zimmer der Wohnung in der HafenCity, welches zum Tonstudio umgebaut wurde.

„Das ist wie Lego“

Hier sind die Wände dick, kein Laut dringt nach draußen. Schnell sind ein paar Dateien auf den Rechner geladen. Der Song „Frühling“ der Söhne Mannheims ertönt. Das Stück ist vom neuen Album der Band um Frontmann Xavier Naidoo und wird von Alex Christensen (U-96) und Florian Arndt produziert. Auf dem Bildschirm erscheinen die verschiedenen Spuren, Tracks mit den einzelnen Aufnahmen, die in der Gesamtheit ein Klangbild ergeben. „Das ist ein bisschen wie Lego“, sagt Arndt lachend. Der Bargteheider hört sich durch die unterschiedlichsten Aufnahmen und sucht das Juwel der Aufnahmen. „Es ist ein langer Prozess, an diesem Lied haben wir ein gutes halbes Jahr gearbeitet“, verrät Arndt. Bei den einzelnen Komponenten eines Liedes geht es immer darum, was fehlt, was ist gut und was kann ersetzt werden.

Freiheit in der Musik ausgelebt

„Mein Vater war sehr musikbegeistert. Von ‚Wer war der alte Häuptling der Indianer‘ bis hin zu den Stones habe ich alles mitbekommen“, erzählt der 35-Jährige. „Er gab mir seinen Freiheitsgedanken mit, den ich in der Musik auslebte“. Erste musikalische Schritte unternahm Arndt im Bargteheider „Music Studio“ von Alfred Steinbock. Er brachte die Schule zu Ende und absolvierte den Studiengang „Keyboards und Musicproduktion“ an der Musikhochschule Münster. Arndt war Resident-DJ im Trittauer Fun Parc. „Das war eine tolle Zeit. Ich spielte Musik, die Leute tanzten, sie tanzten nach meiner Musik und wollten mehr davon“, erinnert sich Arndt. Doch dieses Leben hatte auch seine Schattenseiten. „Ich arbeitete zu einer Zeit, in der andere schliefen“. Und auch die Bodenhaftung schien dem DJ zu entgleiten. „Es war ein schmerzhafter Prozess, ein Umdenken begann“, sagt Florian Arndt.

„Held meiner Jugend“

Hier spielte eine Nummer aus seinem Repertoire eine besondere Rolle. Auf das Projekt „HouseRockerz“ mit dem Titel „Herzrasen“ (16 Millionen Klicks auf You Tube) wurde Alex Christensen aufmerksam und nahm Kontakt auf. „Er wollte mit mir zusammenarbeiten. Dafür bin ich sehr dankbar, denn er ist der Held meiner Jugend“, erzählt Arndt. Beide schrieben und produzierten Musik für andere Künstler, eineinhalb Jahre arbeitete Arndt in Berlin. Alex Christensen bot ihm an, am damals im Entstehen begriffenen Weihnachtsalbum von Helene Fischer mitzuarbeiten. „Ich wäre dafür zu Fuß nach Hamburg gegangen und hätte zur Not auch den Kaffee gekocht“, sagt Arndt.

Feuertaufe mit Kinderchor bestanden

Während er Christensen über die Schulter schaute und fortwährend lernte, entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem Produzenten. „Alex ist ein Typ, der in vorderster Reihe steht und mit den Chefs der Plattenfirmen verhandelt. Ich dagegen arbeite lieber im Hintergrund“, meint Florian Arndt. Die Feuertaufe bestand er in dem Moment, als er von Alex Christensen einen Anruf aus London bekam und für besagtes Helene-Fischer-Album innerhalb von zwei Tagen einen Kinderchor für das Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ organisieren, aufnehmen und abmischen sollte.

„Man fängt einfach an“

Florian Arndt weiß nun, dass er „mit 70 Jahren zwar noch Musikproduzent, aber kein DJ mehr sein will“. In diesem Jahr verabschiedete sich Arndt vom DJ-Pult und ist nun nur noch als Produzent tätig. „Wenn man mich fragt, wie man Musikproduzent wird, kann ich nur sagen: Ich weiß es nicht. Man fängt einfach an. Das Leben nimmt einen an die Hand“. Und am Ende hat man vielleicht die Chance, mit den Größen des Musikbusiness zusammenzuarbeiten. „Man muss erkennen, dass man das, was man nicht kann, erlernen muss“.
Anzeige
Anzeige
2 Kommentare
16
Michaela Hoffmann aus Horn | 16.12.2016 | 07:51  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige