CDU-Dominanz gebrochen

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Birte Kruse-Gobrecht, Bargteheides neue Bürgermeisterin. Beim Feiern in der Coffee Lounge gab es Prosecco und Worte des Dankes Fotos: Schlie
 
Versteinerte Gesichter bei der CDU. Sven Noetzel, Claus Christian Claussen und Cornelia Harmuth (v.l.) verfolgen die Wahl

Bargteheide: Birte Kruse-Gobrecht siegt bei Bürgermeister-Wahl

Von Christina Schlie
Bargteheide bekommt zum ersten Mal einen weiblichen Bürgermeister. Mit 63,4 Prozent aller Stimmen gewann Birte Kruse-Gobrecht am vergangenen Sonntag sehr deutlich die Wahl. „Das Ergebnis repräsentiert mein Gefühl, das sich in den Gesprächen mit den Bürgern entwickelt hat“, sagt die 47-Jährige. „Trotzdem ist es erstaunlich, dass es so ausgegangen ist.“ Birte Kruse-Gobrecht ist als parteilose Kandidatin angetreten. Sie wird von den Grünen unterstützt.

Ihr Gegenkandidat, der von der CDU nominierte Sven Noetzel, unterlag mit 36,6 Prozent. „Ich bin enttäuscht“, kommentierte er das Wahlergebnis. Den Grund für seine Niederlage konnte er nicht benennen. „Wenn ich es wüsste, hätten wir es vorher anders gemacht“, sagt der 44-Jährige. Die Zeit des Wahlkampfs in Bargteheide möchte er trotzdem nicht missen. „Es gab eine tolle Unterstützung, und ich habe viel daraus gelernt“, sagt Noetzel. Für ihn ging es als Bauamtsleiter in Reinbek am Montag gleich weiter. Es sei viel Arbeit liegengeblieben. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,2 Prozent.

Amtsantritt unklar Birte Kruse-Gobracht feierte mit einem großen Team und zahlreichen Unterstützern am Sonntag noch in der Coffee Lounge. Es gab Prosecco und Worte des Dankes. „Ohne das Team wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen“, sagte Kruse-Gobrecht. Wann sie ihren Arbeitsplatz im Rathaus belegen wird, ist noch nicht ganz klar. Diese Entscheidung liegt beim neuen Landrat und ehemaligen Bargteheider Bürgermeister Henning Görtz. Kruse-Gobrecht hofft auf Anfang September. In jedem Fall darf ihr elfjähriger Sohn Karl sich jetzt schon über ein neues Deutschlandtrikot freuen. Das hatte ihm die Mutter bei einem Wahlerfolg versprochen.

Zuspruch gab es nicht nur aus der Bevölkerung, auch die Parteien gratulierten der neuen Bürgermeisterin. Viele zeigten sich überrascht von dem eindeutigen Ergebnis. „Vielleicht haben sich die Bürger nicht nur für Frau Kruse-Gobrecht sondern auch gegen die langjährige CDU Dominanz in Bargteheide entschieden“, spekuliert Jürgen Weingärtner, Fraktionsvorsitzender der SPD. Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik wird ebenfalls von allen erwartet. „Die Wahl von Frau Kruse-Gobrecht ist ein Kulturbruch für Bargteheide. Ich hoffe auf kommunalpolitische Fairness“, sagt Ruth Kastner, Landesvorsitzende der Grünen.

„Für die CDU ist das Ergebnis eine Enttäuschung“, sagt Claus Christian Claussen, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Wir hatten uns eindeutig positioniert und sahen in Herrn Noetzel den besseren Kandidaten.“ Eine mögliche Ursache für die Wahlniederlage sieht Claussen im Thema Wohnort. Claussen: „Die Wirkung in der Bevölkerung darauf haben wir unterschätzt.“ Norbert Muras von der Wählergemeinschaft für Bargteheide (WfB) sieht in der parteilosen Kandidatin die Chance auf einen Neuanfang. „Auch Werner Mitsch hatte damals als Parteiloser von außen einen anderen Blick auf die Stadt“, sagt Muras. Man müsse der neuen Bürgermeisterin die Chance geben, sich in die komplexe Themenvielfalt einzuar-
beiten. Aber „ein Bürgermeister sei auch nur ein Verwaltungschef und kein Landesfürst“, so der WfB Vorsitzende. Birte Kruse-Gobrecht hatte in ihrem Wahlkampf explizit auf die Parteiunabhängigkeit gesetzt. Ein entsprechendes Handeln erwarten nun die Parteien von ihr. (cs)
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