„Das Moor ist tot“

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Autor Ingo Hartung und Bürgermeister Henning Görtz mit dem neuen Buch „Das Bargteheider Moor“ Foto: Schlie

Buch über Trockenlegung des Bargteheider Gebietes soll sensibilisieren

Von Christina Schlie
Bargteheide
Über 116 verschiedene Vogelarten leben im Bargteheider Moor, zwei Muschelarten, acht Amphibien- und vier Reptilienarten. Viele dieser Tiere stehen auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Und trotzdem sagt Ingo Hartung, Experte für Moore: „Das Bargteheider Moor ist tot“. Gleichzeitig betont der 60-Jährige aber auch die außergewöhnliche ökologische Bedeutung. „Für die Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt hat dieses Gebiet einen unschätzbaren Wert“, so Ingo Hartung. Doch seiner eigentlichen Funktion, als Speicher für Kohlenstoffdioxid (CO2), kommt das Moor nicht mehr nach. Daher Hartungs Aussage, das Bargteheider Moor sei tot. Seine Erkenntnisse hat der ehemalige Fahrdienstleiter der Eisenbahn und heutige Mitarbeiter einer Mietwagenfirma in einem Buch zusammengefasst. Ehrenamtlich und in eigenem Auftrag kartierte Hartung 45 Hektar Bargteheider Moorfläche, dessen Kern nur ein knappes Hektar umfasst. Den Grund für das Absterben des Moores sieht der Experte in der schleichenden Trockenlegung des Gebietes. Seit elf Jahren steht das Bargteheider Moor unter besonders intensiver Beobachtung des Hobby-Naturkundlers. Er sagt: „Um angrenzenden Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen, wurden diese trocken gelegt. Das wirkt sich auch auf das Moor aus.“ Dazu kämen die allgemeinen klimatischen Veränderungen. In Deutschland sind nur noch ein bis zwei Prozent ehemaliger Moorlandschaften intakt. Werden Moore durch Entwässerung zerstört, fehlt der natürliche CO2 Speicher, und das seit 8000 Jahren im Moor eingelagerte CO2 wird freigesetzt, warnt der Experte. „In 20 bis 25 Jahren ist das Bargteheider Moor komplett verschwunden.“ Seine Leidenschaft für Geologie und Topografie hat der Vater einer erwachsenen Tochter schon vor Jahrzehnten entdeckt. „Ingo Hartung ist Experte auf seinem Gebiet. Es gibt niemanden, der das Bargteheider Moor besser kennt“, sagt Bürgermeister Henning Görtz. Die Stadt beziehe Hartungs Ergebnisse bei entsprechenden Fragestellungen gern mit ein. Reizvoll an dieser Region ist für den Pölitzer die Geschichte des Moores. „Mit nur 900 Jahren ein sehr junges Moor“, so Hartung. Dazu kommt die Nähe zur A 1. Schon während des Baus der Reichsautobahn in den Jahren 1934 bis 1937 wurden nach seiner Recherche angrenzende Gebiete trockengelegt und der Grundwasserspiegel abgesenkt. Von 1920 bis 1975 diente ein Teil des Bargteheider Moores als Mülldeponie. Dort fand Hartung in einer Tiefe von gut einem Meter unter der Abdichtung 40 Jahre alten Plastikmüll. Nur zehn Prozent davon waren nach dieser Zeit zersetzt. „Es dauert mindestens noch 400 Jahre, bis der Müll weg ist“, sagt er. Auf dem Plateau der ehemaligen Deponie hat sich eine besondere Vegetation mit einem hohen Insektenvorkommen von über 700 Arten entwickelt.
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