Dem Ärger Luft machen

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Der Anflug auf den Hamburger Flughafen ist für Stormarns Bürger mit ungesundem Lärm verbunden Foto: Geoportal

Fluglärm: Immer mehr Beschwerden aus Stormarn

Von Christina Schlie
Bargteheide/Ahrensburg
„Fluglärm macht krank und vermindert die Lebensqualität“ – so die einstimmige Meinung aller Anwesenden bei der ersten Bürgerfragestunde der Fluglärmschutzkommission (FLSK). Üblicherweise tagt das Gremium viermal im Jahr hinter verschlossenen Türen. 60 Bürger, größten-teils Betroffene aus der Gemeinde Jersbek, waren in der vergangenen Woche ins Ganztagszentrum nach Bargteheide gekommen, um ihre Argumente vorzubringen und ihrem Ärger Luft zu machen. Ziel der Öffnung sollte ein Austausch mit vom Fluglärm besonders betroffenen Gemeinden sein, um Wünsche und Anregungen für weitere Besprechungen mitzunehmen. Uwe Kühl verlangte eine konsequente Nachtruhe ab 22 Uhr. „Man will um diese Zeit schlafen und seine Ruhe“, so Kühl, der extra von Norderstedt nach Bargteheide kam. Auch Martin Mosel, Sprecher der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) kritisiert die Kommission. „Die Pünktlichkeitsoffensive ist reiner Hohn, weil Pünktlichkeit selbstverständlich sein sollte“, so Mosel. Damit meint er die Tendenz, dass immer mehr Flugzeuge nach Betriebsschluss um 23 Uhr noch landen würden. Daran würde auch der 300-prozentige Verspätungszuschlag, den Fluggesellschaften in so einem Verspätungsfall zahlen müssten, nichts ändern.

Unerträglicher Krach


Die Wut der Stormarner, dem Fluglärm ausgeliefert zu sein, nimmt seit Jahren zu. Dass viele dabei nicht untätig bleiben wollen, zeigt der drastische Anstieg der Beschwerden. 2015 kamen 1.843 Beschwerden aus dem Kreis Stormarn, davon allein 1.361 aus Großhansdorf. Zwei Jahre zuvor beklagte sich noch niemand öffentlich. Weiterer Kritikpunkt der Anwesenden war die Verschiebung des Standard-Anfluges von vier auf sieben Nautische Meilen. Flugzeuge, die in Hamburg landen wollen, ordnen sich etwa in Höhe von 800 Metern über Jersbek auf dem Landegleitpfad ein. „Über Pfingsten kamen 120 Flieger im vier Minuten Takt“, schimpfte eine Jersbekerin. Auch Mitglieder der Bürgerinitiative der Fluglärmgeschädigten Gemeinde Elmenhorst (FGE) sowie Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) waren unter den Besuchern. Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach, der Stormarn in der FLSK vertritt, appellierte daran, die Kommission „nicht als Feind, sondern als helfendes Gremium“ zu verstehen. Die Fluglärmschutzbeauftragte Gudrun Pieroh-Joußen zog nach der Veranstaltung ein positives Fazit und äußerte sich „zufrieden mit den Ergebnissen und der Beteiligung“. Sie versprach, die „Anregungen aus der Bevölkerung innerhalb der Kommission zu prüfen“. Außerdem sollten weitere, regelmäßige Kontrollen folgen. Auch zwei neue Anflugverfahren, das sogenannte 3,2-Winkel sowie das Ground Based Augmentation System (GBAS) würden für eine Nutzbarkeit am Hamburger Flughafen geprüft.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 08.06.2016 | 09:22  
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