Der Turmherr von Trittau

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Vor wenigen Wochen wurden die Modernisierungsarbeiten an der Martin-Luther-Kirche abgeschlossen. Nun ist auch der Kirchturm wieder offen für die historischen Führungen Foto: wb/ HoH
 
Asmus Bergemann erläutert bei der Turmbegehung das Uhrwerk. Es stammt aus dem Jahre 1892 Foto: C. Yaman

Asmus Bergemann führt in der Martin-Luther-Kirche bis an die Spitze

Von Cetin Yaman
Trittau. Asmus Bergemann hat am vergangenen Wochenende ziemlich viel für seine Fitness getan. Er ist in der Martin-Luther-Kirche zuständig für die Turmbegehungen und hat auf dem Nikolausmarkt die Stufen zum 45 Meter hohen Glockenstuhl gemeinsam mit Besuchern einige Male beschritten. Dem Gemeindemitglied bereiten diese Führungen große Freude, geht es doch um sein Lieblingsthema, die Geschichte der Kirche. Und da kann er mit einem umfassenden Wissen aufwarten.

„Für das Aufziehen der Turmuhr sind kräftige Arme wichtig“ Asmus Bergemann

„Das Uhrwerk stammt aus dem Jahre 1892“, berichtet er den Zuhörern. „Für das Aufziehen der Turmuhr waren kräftige Arme wichtig, die Gewichte wiegen bis zu 40 Pfund.“ 80 Jahre lang machte das der Trittauer Uhrmachermeister Heinrich Bentien, danach übernahm sein Sohn Otto, der bis 1989 dafür sorgte, dass Trittauer beim Blick auf den Kirchenturm immer wussten, wie spät es ist. „Heute wird sie einmal pro Woche vom Küster aufgezogen“, sagt Bergemann. Astrid Klöppel hört dem Kirchenexperten genau zu: „Schon sehr aufregend, so eine historische Mechanik von ganz nah zu betrachten.“

Über dem Uhrwerk sind die Glocken

Ein Stockwerk höher befinden sich die Kirchenglocken. Eine von ihnen ist noch älter als die Uhr. „Sie wurde 1833 gegossen und hat einen Durchmesser von 92 Zentimetern“, weiß Bergemann. „Ihr Gewicht beträgt mehr als eine halbe Tonne. Ihr Nachhall dauert 56 Sekunden.“
Auf dem Metall ist die lateinische Inschrift „Soli Deo Gloria“ graviert, was „Allein Gott sei Ehre“ bedeutet. Die drei kleineren Glocken sind etwas jünger. „Zwei kleine Glocken mussten während des Ersten Weltkriegs abgegeben werden, sie wurden für die Kanonenherstellung benötigt“, sagt der Turm-Experte. Auch die Technik, die Glocken zum Klingen bringt, wurde 1925 erneuert.
Bergemann: „Damals erhielt die Kirche eine elektrische Läuteanlage.“ Dennoch können Mutige den Glocken auch per Hand Geräusche entlocken. „Wenn Kinder bei den Führungen dabei sind, lasse ich sie gerne per Hand den Klöppel zur Glocke schlagen. Das macht ihnen eine Riesenspaß“, erzählt der Trittauer Kirchenexperte. Laut dem historisch interessierten Gemeindemitglied sind 1957 drei neue Glocken hinzugekommen. „Eine größere mit einem Durchmesser von 98 Zentimetern, wiegt eine halbe Tonne und hat die Inschrift „Jesus Christus gestern“ sowie zwei kleinere mit 87 sowie 77 Zentimetern.

Kirche plant regelmäßige Turmführungen

Bei der Turmführung dabei waren auch Gäste aus Norwegen. Ingunn Tveide und Paul Grini aus Oslo besuchten am Wochenende Freunde in der Gemeinde und folgten ihrem Vorschlag, bei der geführten Begehung des Kirchturms mitzumachen. „So etwas gibt es nicht alle Tage“, sagte Ingunn Tveide, die auch ein wenig deutsch spricht. Auch Neugierige aus Geesthacht oder Bad Oldesloe kletterten auf den Turm.

Bedingt durch die Reparaturarbeiten an der Martin-Luther-Kirche war dies die erste Turmbegehung seit einem Jahr. Für alle, die auch mal hochklettern wollen: Die nächste Führung soll am kommenden Verkaufsoffenen Sonntag stattfinden. Wann die Glocken läuten, dafür gibt es laut Asmus Bergemann genaue Vorschriften. Bei Trauungen und Beerdigungen erklingen die oberen kleineren Glocken, bei Gottesdiensten werden alle drei neuen Glocken zum Klingen gebracht und bei ganz besonderen Anlässen wie Weihnachten und Ostern läuten alle vier Glocken, inklusive der historischen Exemplare.
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