Die erste Wahl – aber nicht für alle

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Lukas Böttger, 17, wählt am 26. Mai Foto: Keil
 
Luis Hechler, 18, wählt nicht Foto: Manuela Keil

Am Sonntag dürfen 874 Jungwähler erstmals an die Urne. Doch es gibt Kritik

Von Manuela Keil
Ahrensburg. Am 26. Mai ist Kommunalwahl, und Jugendliche ab 16 Jahren dürfen erstmals wählen. In Ahrensburg gibt es 874 Erstwähler zwischen 16 und 20 Jahren. Dazu gehören auch die Stormarnschüler Lukas Böttger und Luis Hechler.
„Ich finde es super, endlich mitentscheiden zu dürfen“, sagt Lukas Böttger. „Ich wähle auf jeden Fall am 26. Mai.“ Der 17-Jährige spricht aber auch ein Problem an. „Einige junge Leute sehen das zu locker. Es ist eine Verantwortung, und dazu gehört, dass man sich informiert.“
Luis Hechler ist 18 Jahre alt. Er hat sich entschieden, nicht zu wählen. „Vor den Wahlen wird von allen Parteien immer viel versprochen, und wenn es dann später wirklich um die Entscheidungen geht, wird nichts daraus.“ Als Beispiel nennt Luis das Rohrbogenwerk. „Da gab es bereits Investoren. Trotzdem wurde das Projekt schließlich abgelehnt.“ Er habe sich seine Entscheidung gut überlegt. Bei seinem Vater stieß er damit auf Widerstand. „Als Demokrat musst du wählen. Jeder, der nicht wählt, verschenkt seine Stimme, sagte er zu mir, und wir haben viel diskutiert.“ Dennoch: „Ich bin nicht wirklich überzeugt von dem Programm einer Partei.“
Die beiden jungen Männer, beide gehen zur Stormarnschule, Luis in die zwölfte und Lukas in die elfte Klasse, vermissen wirkliches Interesse der Politiker an jungen Menschen, die sie wählen sollen. 874 Jugendliche in Ahrensburg können nächsten Sonntag erstmals wählen. Zwei von ihnen, Lukas Böttger und Luis Hechler, fühlen sich von den Info-Ständen am Rondeel kurz vor der Wahl nicht angesprochen.
„Das ist doch Wahlfang“, sagt Luis. „Wenn ich nicht weiß, wen ich wähle, reißt mich das auch nicht vom Hocker.“
Positiv bewerten beide die Podiumsdiskussionen, wie sie in mehreren Schulen auf Initiative des Kinder- und Jugendbeirats (KiJuB) stattfanden. „Das war ein richtiger Wettkampf zwischen den fünf Politikern und wir konnten nach jedem Thema unsere Bewertungen abgeben“, sagt Lukas. Es seien zudem Probleme der Schüler besprochen worden. Und es ging um die neue Cafeteria in die Stormarnschule.
„Die alte war viel gemütlicher“, sagt Luis. „Warum fragt man nicht die Schüler und bindet sie in so eine Entscheidung, die viel Geld kostet, frühzeitig ein?“ So wären modernere Fachräume für Biologie und Chemie wichtiger gewesen sowie neue Bücher, sind sich beide einig. „Die Politiker wussten nichts von den veralteten Fachräumen“, sagt Luis. Beide Schüler sind im KiJuB aktiv, Luis auch als Pfadfinder. „Der KiJuB macht viel und hat auch eine Broschüre mit dem Titel „Du hast die Wahl“ für Erstwähler herausgebracht, die beim Stadtjugendring erhältlich ist“, sagt Lukas.
Welche Themen interessieren Jugendliche in Ahrensburg? Häufig genannt wurden bei den Podiumsdiskussionen die Verschuldung der Stadt, die Ausstattung der Schulen, der demografische Wandel, Visionen für Ahrensburg, Rathaus und Kino in der Schlossstadt. Luis und Lukas sind sich einig: Ein Kino braucht Ahrensburg nicht, und das Rathaus sollte gesäubert werden.
Luis wählt im September
So werde viel Geld, das anderweitig verwendet werden kann, gespart. „Man muss die hohen Kosten für einen Rathaus-Neubau sehen“, sagt Luis. Beide jungen Männer informieren sich und schauen über den Tellerrand. Luis kritisiert, dass sich 18 seiner 20 Mitschüler nicht für Politik interessieren. Beim Stichwort Bundestagswahl am 22. September meint er: „Da werde ich auf jeden Fall wählen. Das ist etwas Großes. Da kommt es auf jede Stimme an, gerade jetzt in der Krise.“ Lukas entgegnet darauf entschieden: „Demokratie fängt im Kleinen an, vor der eigenen Haustür.“ (kei)
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