Die gute Seele der Tafel geht

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Das Tafel-Team bei einem Grillnachmittag, den es ab und zu seinen Kunden anbietet Fotos: Maurer
 
Brigitte Muche zeigt gespendete Lebensmittel, mittwochs werden sie an Bedürftige ausgegeben

Brigitte Muche, eine der Initiatoren des Projektes, zieht um und verlässt den Verein

Von Birgit Maurer
Trittau. Brigitte Muche möchte jetzt mal an sich denken. Die langjährige Mitarbeiterin der Trittauer Tafel plant nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Herbst einen Ortswechsel und somit auch einen Wechsel ihrer Prioritäten.
Ab September will sie in der Nähe ihrer zwei Kinder neu anfangen. Das Haus ist verkauft, die Wohnzimmereinrichtung schon verschenkt.
„Ich baue in Schneverdingen ein seniorengerechtes kleines Haus und bin dann als Anlaufstelle für meine vier Enkel zwischen sieben und 16 Jahren da, wenn meine Schwiegertochter wieder arbeiten möchte“, sagt sie. Das bedeutet einschneidende Änderungen für die Trittauer Tafel, denn ab Herbst fällt sie als Ansprechpartnerin weg. Mindestens zwei Anrufe wegen der Tafel erreichen sie täglich, die müssen nun von den restlichen vier Vorstandsmitgliedern übernommen werden.

Das Gesicht der Tafel

Zudem ist Brigitte Muche das Gesicht der „Trittauer Tafel“, war von Anfang an dabei und hat die Tafel geleitet, seit diese im Jahr 2000 offiziell als Verein gegründet wurde. Zuvor wurde bereits drei Jahre als Ableger der Stormarner Tafel gearbeitet, auch da war Brigitte Muche schon dabei.
„Mich hat die Idee fasziniert, gutes Essen nicht wegzuwerfen, sondern denen zu geben, die es brauchen. Die Armut wird nicht weniger, die Tafelidee überholt sich nicht, wie wir anfangs mal dachten“.
Die zweite Vorsitzende Ursula Assmann wird die kommissarische Leitung übernehmen, bis bei der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2014 der Vorstand neu sortiert wird.
Brigitte Muche geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, da ihr die Tafelarbeit sehr am Herzen liegt. Auch jetzt noch, kurz vor ihrem Umzug, macht sie sich Sorgen, ob der Standort erhalten bleibt:
„Dringende Renovierungen, zum Beispiel in der Küche, stehen an. Aber es wären ja vergeudete Spenden- und Steuergelder, wenn man das Gebäude ein paar Jahre später abreißen würde“. Irritiert haben sie Äußerungen aus der Politik, das Gelände zum Jugendzentrum zu machen. Zudem läuft der Nutzungsvertrag der Tafel nur noch über fünf Jahre. Aber diese Probleme werden dann ihre Nachfolger regeln.

„Die Tafel ist hier zu einer
Institution geworden, wo man sich trifft, klönt und wohlfühlt“
Brigitte Muche


Über 16 Jahre Tafelarbeit resümiert sie: „Schön war, dass immer genug Leute kamen, um zu helfen und teilweise auch die Bedürftigen ihre Hilfe anboten. Die Tafel ist hier zu einer Institution geworden, wo man sich trifft, klönt und wohlfühlt.“
Nicht zuletzt ist dies das Werk Brigitte Muches, denn sie hat eingeführt, dass die Kunden mit Tee und Kaffee bewirtet werden und ab und an gemeinsam gegrillt wird. In nicht so guter Erinnerung hat sie einige Betrugsversuche: Leute spielen Bedürftigkeit vor, um Waren zu erhalten, die sie dann verkaufen oder man geht mit fremden Ausweisen zu mehreren Tafeln. Dem ist heute mit einigen Kontrollmechanismen ein Riegel vorgeschoben worden. 120 Familien nehmen die Hilfeleistungen wöchentlich in Anspruch.
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