Drei Wochen Erholung

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Die 16 ukrainischen Kinder mit ihren Betreuern Natalia Kononchuk (Studentin, links hinten), Olena Mysyuk (Ärztin, rechts daneben), Ivan Leshchenko (Student, hinten), Olga Kotova (hinten), Wulf Garde (mit Brille), Mykchailo Marynych (rechts daneben) Foto: M. Keil

16 Kinder aus der Tschernobyl-Region sind zu Besuch in Großhansdorf

Von Manuela Keil
Großhansdorf Kinderlachen schallt über den Spielplatz des Schullandheims Erlenried am Ende der Sackgasse. Einige Kinder spielen Tischfußball, andere haben sich gerade verkleidet. Die 16 Kinder, die hier spielen, kommen aus der Ukraine – acht Jungen und acht Mädchen, alle sind zwischen acht und zwölf Jahre alt.
Mit dem Bus sind sie vor ein paar Tagen nach knapp 30-stündiger Busfahrt und rund 1.600 Kilometern erschöpft im Schullandheim eingetroffen. Von dieser anstrengenden Fahrt ist zwei Tage später nichts mehr zu spüren. Alle sind munter und verstehen sich gut, obwohl sich die wenigsten aus der Heimat, die 70 Kilometer westlich von Tschernobyl liegt, kennen. Die Ukrainer stammen aus etwa sieben Dörfern. „Es sind Kinder aus sehr armen und kinderreichen Familien. Einige von ihnen sind Waisen“, sagt Wulf Garde, Gründer und Vorsitzender des Vereins Pryvit, Hilfe für Tschernobyl-Kinder. Tschernobyl - dieser Name steht bis heute für den schweren Atomkraftunfall von 1986.
„Wir möchten den Kindern drei Wochen Erholungsurlaub bieten sowie medizinische Hilfe“, sagt der pensionierte Lehrer Garde. So stehen außer Ausflügen an die Ostsee, in das Miniaturwunderland und in den Tierpark Hagenbeck mehrere Arztbesuche auf dem Programm, außer einem Gesundheitscheck sind Zahn- und Augenarzttermine geplant. Garde: „Im vergangenen Jahr brauchte jedes zweite Kind eine Brille.“ Die Gestelle spendet seit drei Jahren der Großhansdorfer Brillenfachmann York Johann-to-Settel. Zudem erhalten die Gäste Kleidung aus Spenden. „Letztes Jahr kamen zwei der Kinder ohne Schuhe an“, sagt Garde.

Aufwändige Organisation

Er hat mit der Vereinsgründung ein Hilfsprojekt geschaffen, das ihn mit den vielen Aufgaben zur Organisation und Betreuung im Jahr sehr ausfüllt. Die Organisation ist aufwändig. Wulf Garde reist regelmäßig in die Ukraine und die Dörfer. Auch vom 18. bis 22. Februar war er da. Doch das Treffen der Organisatoren platzte. Grund waren die Kämpfe auf dem Kiewer Maidan. „Das Büro unserer Partner liegt nur wenige Meter vom Platz entfernt“, sagt Garde. Der Verein braucht mindestens 24.000 Euro pro Jahr für die Kinder – allein der dreiwöchige Aufenthalt im Schullandheim kostet 12.000 Euro, die Busfahrt in diesem Jahr „nur“ 3000 Euro. Die Geldbeschaffung ist Hauptaufgabe für Wulf Garde. Denn die 65 Mitglieder zahlen zwar 24 Euro Jahresbeitrag, aber der Verein ist auf Spenden angewiesen.
Am 9. August, wenn das Schullandheim Erlenried zum ukrainischen Nachmittag von 15 bis 18 Uhr einlädt, werden in Großhansdorf ukrainische Lieder erklingen und Tänze aufgeführt. Viele Jungen und Mädchen zeigen dann, was sie in diesen Tagen eingeübt haben. (mkei)
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