Ehrenmale im Fokus

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Asmus Bergemann (v.l.) und Oliver Mesch mit einem Plakat, das den „Tag des offenen Denkmals“ bewirbt

Trittaus Amtsarchivar zeigt „Unbequemes“ am Denkmaltag

Trittau. „Unbequeme Denkmale“ stehen im Mittelpunkt des bundesweiten „Tags des offenen Denkmals“ am Sonntag, 8. September.
In Trittau gehen Amtsarchivar Oliver Mesch und der Kirchenhistoriker Asmus Bergemann dieser Frage anhand dreier Ehrenmale für Gefallene in verschiedenen Kriegen nach. In der Kirche gibt es eine Ehrentafel für den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 sowie eine Namenstafel mit
182 Namen für Gefallene im Ersten Weltkrieg, die aus dem Kirchspiel der Gemeinde stammten. Zum Kirchspiel gehörten die umliegenden Dörfer. Zudem gibt es auf dem Friedhof, zwischen Rhododendren versteckt, einen Findling mit einem Adler, dem eisernen Kreuz und einem Spruch, der die Dolchstoßlegende propagiert.
„Dass die Opfer auch Täter waren, hat man erst später bedacht“, sagt Kirchenhistoriker Bergemann.
Ein weiteres Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges steht an der Bahnhofstraße. Der erste Teil entstand 1926 nach einem Entwurf des damaligen Pastors Sommerfeldt. 1955 kam ein Relief des Bildhauers Richard Kuöhl für den Zweiten Weltkrieg dazu. Der Friedhof und die Martin-Luther-Kirche laden am Sonntag, 8. September, zum „Tag des offenen Denkmals“ ein. Seit 2012 steht die Gesamtanlage des Ehrenmals auf dem Friedhof unter Denkmalschutz.
„Die Entwurfsidee einer symbolischen Felsengruft mit Oster-Sonne als Symbol der Auferstehung verdeutlicht die auch in der Weimarer Republik noch fortdauernde, konservative Idee einer ‚Einheit von Thron und Altar‘“, sagt Kirchenhistoriker Asmus Bergemann. Es ist das einzige Denkmal in dieser Form in Schleswig-Holstein und fand seinerzeit deutschlandweit Beachtung. Das zweite Denkmal von Kuöhl als bearbeitete Reliefplatte zeigt die gewandelte Auffassung des Totengedenkens. Nur das Eiserne Kreuz und der Anfang des Soldatengrabliedes sind militärische Symbole. Hier zeigt sich Konfliktpotenzial: Die einen würden diese Art von „Heldenhuldigung“ am liebsten wegräumen, die anderen aus historischer Sicht bewahren.
Am Tag des offenen Denkmals wollen Bergemann und Mesch mit Unterstützung von Wolfgang Teske aus dem Kirchengemeinderat die „Denkmale zum Sprechen“ bringen. Sie übernehmen jeweils eines der Denkmale und erläutern Gästen die Bedeutung. Von 14 bis 17 Uhr sind Interessierte willkommen. (bm)
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