Ein Denkmal von 1970

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Das Ahrensburger Rathaus wurde von Architekt Karl-Heinz Scheuermann entworfen Foto: M. Keil

Verwaltung: So könnte es Geld für Rathaus-Sanierung geben

Von Manuela Keil
Ahrensburg. Aus einem grauen Betonbau, mit dem sich einige Ahrensburger Bürger auch nach vielen Jahren nicht recht anfreunden können, soll ein denkmalgeschütztes Gebäude werden? Dieser Gedanke erschien in der 32.000 Einwohner zählenden Schlossstadt zunächst befremdlich. Doch die anfängliche Skepsis ist gewichen. Aus Kritik wurde Zustimmung. „Es gibt keinen Dissens in Politik und Verwaltung“, sagt Stadtsprecher Andreas Zimmermann. „Ich begrüße die geplante Unterschutzstellung des Rathauses durch das Landesamt für Denkmalpflege“, sagt Bürgermeister Michael Sarach. „Es handelt sich um ein Gebäude von besonderer Qualität.“ Und Sarach knüpft Hoffnungen an den zukünftigen Denkmalschutz des Rathauses. „Damit könnte sich für die Stadt die Möglichkeit eröffnen, Zuschüsse für die Sanierung zu bekommen, die es ohne Denkmalschutz nicht gäbe.“
Rückblende: 1968 war Baubeginn für das achtstöckige Gebäude, das Architekt Karl-Heinz Scheuermann errichtete. Die Stadt zahlte 4,4 Mio. Mark für den Bau, der 1970 fertig wurde. Für das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel handelt es sich beim Ahrensburger Rathaus „aus historischen, städtebaulichen und künstlerischen Gründen um ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, an dessen Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht“. So habe Architekt Scheuermann damals moderne Materialien wie Waschbeton mit traditionellen edlen Materialien wie Marmor und Teakholz verbunden. Astrid Hansen, Mitarbeiterin des Denkmalschutzamtes, bezeichnete das Rathaus als Kulturdenkmal, das für die Epoche der Nachkriegszeit, die Bonner Republik stehe und zudem baulich eine besondere Qualität habe.
Auf der Sitzung des Ahrensburger Bauausschusses sagte Hansen am 22. Mai, letztlich entscheide ihre Behörde über den Denkmalschutz und nicht die Stadt. „Wir haben da rechtlich gar keinen Spielraum.“ Der Wunsch der Kieler Denkmalpfleger sei es jedoch, dass die Stadt Ahrensburg selbst den Antrag stellt. Das Gebäude werde nach der Kommunalwahl, aber noch vor der Sommerpause unter Denkmalschutz gestellt, sagte Hansen. Somit steht die Zeit bis zum 21. Juni im Raum.
Wie geht es nun weiter? Es ist derzeit noch alles offen, einen Beschluss der Stadtvertreter, den Denkmal-Status selbst zu beantragen, gab es vor den Kommunalwahlen nicht. Stadtsprecher Zimmermann rechnet jedoch damit im August, wenn nach der Sommerpause der neue Bau- und Planungsausschuss tagt. Und er betont: „Es geht bei der Frage nicht um eine besondere Äthetik des Rathauses, sondern um die spezielle Architektur, für die der Rathausbau steht.“ Ein weiteres Argument ist der Kostenaspekt: ein Neubau würde etwa elf bis zwölf Mio Euro kosten, eine Grundsanierung, die dem Brandschutz und den energetischen Bestimmungen Rechnung trägt, dagegen etwa die Hälfte. Sozusagen brandeilig ist die Brandschutzsanierung, ein ursprünglich vom Denkmalschutz getrenntes Thema. Gehe man dem Brandschutz nicht zügig nach, müsste etwa der 6. Stock mit seinem Sitzungssaal, in dem die Fraktionen tagen, geschlossen werden, sagt Zimmermann. Zudem herrsche ohnehin im Rathaus Raumnot. Die Ausschreibungen für den Bau einer Feuertreppe aus Metall auf der Rückseite des Gebäudes laufen bereits, und die Arbeiten werden noch in diesem Jahr beginnen. Mit einer Fertigstellung rechnet Zimmermann jedoch erst 2014. (kei)
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