Ein Gehör für die Pfeifen

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Blick in die Orgel Foto: Jenjahn
 
Jochen Breuer vor der neuen Trittauer Orgel in der Martin Luther-Kirche Foto: Jenjahn

Neue Trittauer Orgel bekommt ihre nötigen Klangfarben

Von Olaf Jenjahn
Trittau
Etwas mehr als einen Monat ist es jetzt her, als der neuen Orgel, die künftig in der Martin-Luther-Kirche erklingen soll, ein begeisterter Empfang bereitet wurde. „So einen herzlichen Empfang habe ich selten erlebt“, sagt Lara-Melisa Hohn, Auszubildende für den Beruf des Orgelbauers. Die 20-Jährige absolviert beim Orgelbauer Weimbs eine dreieinhalbjährige Ausbildung und ist derzeit zusammen mit Jochen Breuer mit dem Aufbau und dem Stimmen der neuen Orgel beschäftigt. Die Resonanz ist groß: Orgelpaten schauen beim Aufbau vorbei, es gibt kostenloses Eis für die beiden Mitarbeiter. Die Identifikation und das Interesse an der neuen Orgel sind unheimlich hoch. Mittlerweile ist das 330.000 Euro teure Instrument in der Kirche aufgebaut, Breuer und Hohn machen sich an den Feinschliff. Die Orgelpfeifen werden eingebaut und gestimmt. Mindestens bis Ende Juli legen die beiden Mitarbeiter der Firma Weimbs aus Hellenthal, Nahe der belgischen Grenze, Hand an jede der 1.164 Pfeifen. Pro Pfeife sind 50 bis 100 Handgriffe nötig, um sie später in der richtigen Klangfarbe, Lautstärke und Tonhöhe erklingen zu lassen. „Derzeit ist das noch ein Möbelstück mit einer Menge Technik“, sagt Jochen Breuer. Im Rohbau hat der 33-Jährige die Orgel bereits in der heimischen Werkstatt gesehen. „Allerdings hatten wir da die kleineren Pfeifen, die Windanlage und die Mechanik noch nicht eingebaut“, erzählt Breuer. Es mache keinen Sinn, die Pfeifen voreinzustellen, weil die Akustik am Ort der Aufstellung anders ist, als in der Werkstatt des Unternehmens. „Natürlich sollen die Pfeifen optimal auf den Kirchenraum abgestimmt werden“, sagt Breuer. Maßgebend, wie die Orgel später klingt, ist das Labium, das Loch an dem der Pfeifenton entsteht. Hier sind Größe und Legierung wichtig. Während Frontpfeifen zu 85 Prozent aus Zinn und zu 15 Prozent aus Blei gefertigt sind, beträgt die Mischung bei den kleineren Pfeifen 50:50. Mit den unterschiedlichsten Messern werden die Pfeifen gebogen und geformt. „Kleine Pfeifen muss man schon mal bis auf den Hundertstelmillimeter einstellen“, sagt Jochen Breuer. Doch auch die Traktur muss richtig eingestellt werden, damit die Pfeifen die richtige „Portion“ Luft bekommen. „Das Ventil besitzt eine Rückholfeder, die die Pfeife schließt. Für den optimalen Klang muss das Ventil perfekt schließen“. Das einzige technische Hilfsmittel, das Jochen Breuer benutzt, ist ein Tongenerator. Ansonsten vertraut er auf seine Erfahrung und sein Gehör. „Ich vergleiche meine Arbeit gern mit der eines Parfumeurs, der viele verschiedene Ingredienzien zu einem Parfum mischt“, sagt Breuer. Trittaus Kirchenmusikerin Barbara Fischer kann es kaum erwarten, sich endlich an das neue Instrument der Trittauer Kirche setzen und es bespielen zu können. „Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, wenn ich in die Kirche komme und sehe, was sich getan hat. Diese Aufbauphase ist sehr interessant“, sagt die Kantorin. Nicht nur sie schaut regelmäßig vorbei, spielt ein paar Tasten an und verständigt sich mit Jochen Breuer, was noch verändert werden kann. Die Begeisterung von Barbara Fischer für die neue Orgel ist direkt spürbar, das schwingt auch in den Worten zum Abschied an die Orgelbauer mit: „Ich muss jetzt zum Kinderchor. Wir sehen uns dann morgen wieder. Oder nachher um fünf“.
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