„Ein Plan existiert nicht“

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Landrat Klaus Plöger (l.) und Eka von Kalben (MdL, Bündnis 90/Die Grünen) diskutierten über die Flüchtlingssituation Foto: fnf

Landrat Plöger sprach mit Landtagsmitglied Eka von Kalben über Flüchtlinge

Von Finn Fischer
Stormarn
Mehr Geld vom Bund und eine bessere Kommunikation: Landrat Klaus Plöger und die Landes-Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben, diskutierten vergangene Woche über die Unterbringung von Flüchtlingen und waren in vielen Punkten einer Meinung. Beide sehen die Bundesregierung in einer größeren Verantwortung – sowohl finanziell als auch praktisch.
„Viele Menschen in Schleswig-Holstein haben das Gefühl, dass die Bundesregierung keine Lösungen für die Flüchtlingskrise vorweisen kann und ihnen etwas vorgegaukelt wird“, so Klaus Plöger. Dem Landrat fehlt bislang ein schlüssiges Gesamtkonzept: „Berlin muss sich die Frage stellen, wie viele Menschen aufgenommen werden und integriert werden können. Es werden gute Sachen auf den Weg gebracht, aber ein richtiger Plan existiert nicht.“
Genervt ist der Landrat von der Finanzpolitik des Bundes in Sachen Flüchtlinge. Um die vielen Menschen zu versorgen, müsse Geld sowohl für die Unterbringung als auch für die Integration investiert werden. Und die Mittel, so der Landrat, müssen auch bei den Kommunen ankommen und dürfen nicht beim Land versacken: „Berlin kann nicht sagen; ‚Wir schaffen das‘ und die Kommunen dann im Regen stehen lassen.“
Was die finanziellen Mittel angeht, „sitzen wir im gleichen Boot“, bemerkt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Eka von Kalben. Derzeit gibt es pro Flüchtling und Monat vom Bund 960 Euro. Von Kalben: „Das ist mehr als früher, aber immer noch zu wenig, um alles abzudecken. Wir haben viel mehr Aufgaben, die wir bewältigen müssen.“ Mehr Personal, Lehrkräfte an Schulen, Therapieangebote für traumatisierte Flüchtlinge, Sprachangebote, Verwaltungsstellen – alles muss finanziert werden.Denn durch ehrenamtliche Arbeit lässt sich der Arbeitsaufwand schon lange nicht mehr bewältigen. Die Helfer sind an ihren Grenzen und die Lage wird sich weiter zuspitzen. Ein weiteres Problem: Es gibt nicht genug Fachkräfte. Auch das DRK hat mittlerweile ein Problem, für ausgeschriebene Stellen Personal zu bekommen.“ Kein Wunder: Die Nachfrage ist immens, Kommunen reißen sich um Pädagogen, Psychiater und Therapeuten. „Menschen mit psychischen Erkrankungen müssen schon jetzt sechs Monate auf einen Therapieplatz warten“, sagt Plöger.
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