Furcht vor Pferdesteuer

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Frauke Daerr mit ihren Shetlandfohlen „Karlchen“ und „Karlson“ Foto: cs
 
40 Schulpferde und zwölf Jungtiere leben auf dem Hof in Delingsdorf. Kinder, aber auch Erwachsene können hier Reiten lernen Foto: cs

Bezahlmodell á la Hessen würde Reiter im Norden vor Probleme stellen

Von Christina Schlie
Bargteheide
Eine Nachricht aus Hessen beunruhigt derzeit Stor-
marner Reiter. Pferdebesitzer in Bad Sooden-Allendorf müssen ab sofort 200 Euro jährlich an ihre Gemeinde zahlen. Dort hatte der Hessische Gerichtshof Ende vergangenen Jahres beschlossen, dass die Einführung einer Pferdesteuer nicht gegen geltendes Recht verstößt und somit in die Tat umgesetzt werden
kann.
„Die Einführung einer Pferdesteuer wäre mein finanzieller Ruin“, sagt Frauke Daerr. Die 42-Jährige betreibt mit 40 Schulpferden eine der größten Reitschulen im Kreis Stormarn. „Wenn diese Steuer hier eingeführt wird, dann muss ich meinen Hof schließen.“
Betroffen von der Steuer sind in Hessen diejenigen, die „das Halten und Benutzen von Pferden zur Freizeitgestaltung betreiben“, so der Satzungstext. „Auch wer ein Pferd gegen Entgelt zur Benutzung durch einen Dritten hält, muss die Abgabe entrichten.“ Das würde dann auch Frauke Daerr betreffen, denn damit sind Schulpferde für den Reitunterricht im Verein oder Pferdebetrieb gemeint.

Höhere Kosten – umgelegt auf Reiter


Über 200 Reitschüler kommen zu der Diplomsoziologin auf den Hof in Delingsdorf. Eine Pferdesteuer würde natürlich die Kosten für die Stallbesitzerin erhöhen und somit vermutlich auf die Reitschüler umgelegt werden.
„Dabei ist Reiten ohnehin schon kein günstiges Hobby.“ Ausgenommen von der Pferdesteuer in Bad Sooden-Allendorf sind nur diejenigen, die Pferde „nachweislich zum Haupterwerb im Rahmen der Berufsausübung“ einsetzen.
Mit großer Enttäuschung reagierte auch der Kreispferdesportverband Stormarn auf die Nachricht aus Hessen. „Hier wird vergessen, welchen Wert der Reitsport auch für die Gesellschaft hat. Kinder und Jugendliche lernen Verantwortung durch den Umgang mit Pferden. Außerdem sollte man den sportlichen Aspekt bedenken“, sagt Klaus Thormählen, Vorsitzender der Verbands. „Kommt die Steuer, wäre das eine Katastrophe.“

„Für das Reiterland Schleswig-Holstein ergäben sich daraus große Probleme.“ Siegfried Martenka

Mit 33 Pferden pro 1.000 Einwohner hat Schleswig-Holstein die höchste Pferdedichte in ganz Deutschland. „Für das Reiterland Schleswig-Holstein ergäben sich daraus große Probleme“, so Siegfried Martenka vom Reit- und Fahrverein Bargfeld-Stegen. „Schließlich hängen da auch Arbeitsplätze dran.“
Noch gibt es in Stormarn noch keine aktuellen Pläne zur Einführung einer Pferdesteuer, die als Gemeindesteuer lokal erhoben werden könnte. „Wir denken derzeit nicht darüber nach, weitere Tierarten zu besteuern“, bestätigt Bargteheides Bürgermeister Henning Görtz.
Dieser Tendenz schließen sich auch die umliegenden Gemeinden an. „Ein guter Kontakt zur Politik ist wichtig. Man sollte miteinander im Gespräch bleiben, so dass alle Bedürfnisse berücksichtigt werden können“, so Thormählen. „Man sollte abschätzen, ob sich Aufwand und Nutzen überhaupt rechnen.“ Reitschulbetreiberin Daerr denkt bereits weiter: „Erhebt nur eine Gemeinde eine Steuer und die andere nicht, ziehen die Besitzer mit ihren Tieren einfach um.“
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