Furcht vor Pferdesteuer

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Reitstallbesitzerin Claudia Knickrehm: „Es wäre eine Willkür die Pferdehalter zu belasten.“ Foto: fp
 
Andrea Renken fragt nach dem Sinn einer Pferdesteuer Foto: fp

Bezahlmodell á la Hessen würde Reiter im Norden vor Probleme stellen

Von Frauke Pöhlsen und Christina Schlie
Stormarn
Pferdebesitzer reagieren besorgt auf die Nachricht, dass im hessischen Bad Sooden-Allendorf Reiter ab sofort 200 Euro Steuern im Jahr an die Gemeinde zahlen müssen. Dort hatte der Hessische Gerichtshof Ende vergangenen Jahres beschlossen, dass die Einführung einer Pferdesteuer nicht gegen geltendes Recht verstößt und somit in die Tat umgesetzt werden kann.
Die Sorge der Stormarner liegt nahe. Gibt es in der Region auch zahlreiche Städte und Gemeinden mit leeren Kassen. In einer Gegend, in der so viele Pferde gehalten werden, wäre eine Besteuerung der Tiere eine einträgliche Sache. Betroffen von der Steuer sind in Hessen Menschen, die Pferde zur Freizeitgestaltung halten und nutzen, heißt es im Satzungstext. Auch wer ein Pferd gegen Entgelt zur Benutzung durch einen Dritten hält, muss die Abgabe entrichten.

Reiten ist Breitensport


Claudia Knickrehm, Besitzerin des Reitstalls Knickrehm in Lütjensee, sagt: „Reiten ist kein Luxus, sondern ein Breitensport. Es wäre Willkür, die Pferdehalter zu belasten und trifft nicht nur uns, sondern auch unsere Einsteller. Selbst Pferdebesitzer, deren Pferde ihr Gnadenbrot bekommen oder nur auf der Weide am Haus stehen, müssten zahlen.“
Mit großer Enttäuschung reagierte auch der Kreispferdesportverband Stormarn auf die Nachricht aus Hessen. „Hier wird vergessen, welchen Wert der Reitsport auch für die Gesellschaft hat.
Kinder und Jugendliche lernen Verantwortung durch den Umgang mit den Tieren. Außerdem sollte man den sportlichen Aspekt bedenken“, sagt Klaus Thormählen, Vorsitzender des Verbands. „Kommt die Steuer, wäre das eine Katastrophe.“
Auch Michelle Lütkemeyer (19) hat ihr Pferd in Trittau stehen. Für das Tier muss sie etwa 1.500 Euro im Jahr aufbringen. „Das ist nicht wenig“, sagt die begeistere Pferdesportlerin. „Wenn tatsächlich noch 200 Euro für Pferdesteuer hinzu kämen, können sich das viele gerade junge Pferdebesitzer nicht mehr leisten und müssten auf ihr Hobby verzichten.“

Land mit bundesweit höchster Pferdedichte


Mit 33 Pferden pro 1.000 Einwohner hat Schleswig-Holstein die höchste Pferdedichte in ganz Deutschland. „Für das Reiterland Schleswig-Holstein ergäben sich daraus große Probleme“, so Siegfried Martenka vom Reit- und Fahrverein
Die Steuer würde auch Frauke Daerr betreffen. Über 200 Reitschüler kommen auf den Hof der Diplomsoziologin in Delingsdorf. Eine Pferdesteuer würde die Kosten für die Stallbesitzer erhöhen und somit vermutlich auf die Reitschüler umgelegt werden.
Drei Pferde von Andrea Renken galoppieren über ihre Pferdekoppel. Die Physiotherapeutin reitet seit über 15 Jahren. Andrea Renken schüttelt den Kopf. Sie wisse nicht wofür, sie Pferdesteuer zahlen sollte.
„Die Reitwege sind hier in einem schlechten Zustand“, sagt sie. „Zwar wurden einige Reitwege aufgeschottert, doch das ist nicht gut für die Pferde. Dafür werden die Wege nun auch von Hundebesitzern genutzt, denen wir ausweichen müssen.“
Außerdem versperrt Holzschnitt Wege, der nicht weggeräumt werden wird.
Entwarnung in Sachen Pferdesteuer gibt es zunächst für die Reiter in der Gemeinde Großensee. Bürgermeister, Karsten Lindemann-Eggers sagt: „Die Besitzer unserer Reitställe zahlen bereits Gewerbesteuer“, berichtet der Landwirt. „Wenn jetzt noch 200 Euro Pferdesteuer erhoben würde, wäre das kontraproduktiv. Womöglich müssten weitere Reitstall-Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen schließen.“
In Großensee existieren ohnehin von ehemals sieben Reitställen noch zwei Vollerwerbs- und drei Halberwerbsbetriebe.
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