Gedenken an Familie Rath

Anzeige
Diese vier Stolpersteine erinnern in der Waldstraße in Ahrensburg an die Familie Rath Foto: Fischer

Stolpersteine erinnern an Schicksal. Geschichte soll weitergetragen werden

Von Finn Fischer
Ahrensburg
Sie erinnern an die dunkle Vergangenheit: Vier Stolpersteine in der Waldstraße 8 in Ahrensburg. Hier lebten Veronika, Hugo, Fritz Ulrich und Dorle Rath. Die Familie wurde Opfer der Nationalsozialisten. Schüler der Stormarnschule arbeiteten im Unterricht die Geschichte der Familie auf, recherchierten in vielen Stunden das Schicksal der Raths. Die Gräueltaten bekamen ein Gesicht. „Wir wollen mit der Erinnerung ein kollektives Gedächtnis schaffen, damit die Familie einen Platz in unserer Gemeinschaft findet“, sagte Schülersprecherin Aylin Lehnert während der Stolperstein-Verlegung. Es gäbe nicht mehr viele Zeitzeugen, die die Nazidiktatur aktiv miterlebt hätten. „Es ist jetzt die Aufgabe unserer Generation, das Vergessen zu verhindern“, so die Schülerin. In der Stormarnschule soll die Familie Rath ab sofort regelmäßig im Unterricht stattfinden. Jeder Schüler soll wissen, was hier in den Jahren vor und während des zweiten Weltkrieges passierte. So wurde der angesehene Arzt Dr. Hugo Rath unter den Nazis systematisch denunziert. Sein „Vergehen“: Er war mit einer Jüdin, Veronika Rath, verheiratet. Sie nahm sich aus dem immensen Druck heraus mit nur 55 Jahren das Leben. Doktor Rath, der „verjudete Deutsche“, hörte auf als Arzt zu praktizieren, fing an zu trinken. Die beiden Kinder überlebten die Nazi-Herrrschaft nur mit Hilfe von Freunden der Familie. Dorle Rath (1921 bis 1989) blieb in Deutschland, gründete nie eine eigene Familie, lebte bis zu ihrem Tod mit 69 Jahren in dem Haus in der Waldstraße 8.

Zeit darf sich nicht wiederholen


Ihr Bruder Fritz Ulrich Rath wanderte 1948 im Alter von 26 Jahren in die USA aus, war verheiratet und hatte drei Kinder. 2007 starb er in Cincinnati /Ohio.„Wir müssen uns unsere Vergangenheit und die dunklen Zeiten der Geschichte immer wieder vor Augen holen“, sagt Bürgervorsteher Roland Wilde. „Diese Zeit darf sich weder hier in Ahrensburg noch woanders wiederholen.“ Nach Lesungen und einer Reihe musikalischer Beiträge verlegte der Künstler Gunter Demnig die vier mit einer Messingplatte versehenen Stolpersteine, auf denen die Namen der Familienmitglieder eingraviert sind, in der Waldstraße 8. Sie sollen zum Innehalten anregen und die Gedanken auf eine Zeit lenken, in denen Menschen willkürlich aufgrund von Rasse oder Religion verfolgt, denunziert und ermordet wurden.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige