Gegenwind wegen des Lärms

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Grenzwerte überschritten: Anlagen am Glindfelder Weg auf der Kippe

Von Finn Fischer
Bargteheide. Es könnte das Aus für den geplanten Bürgerwindpark am Glindfelder Weg bedeuten. Die vergangene Woche bei der Stadtvertreterversammlung vorgestellten Lärmgutachten belegen, die Anlagen machen zu viele Geräusche, dürften nachts ausschließlich im „Sparmodus“ laufen. Ausgerechnet auf einem leeren städtischen Grundstück werden die Grenzwerte überschritten. Durch einen entsprechenden Beschluss der Stadtvertreter wäre eine Ausnahmeregelung möglich gewesen. Auf dem Gelände – sofern es irgendwann einer gewerblichen Nutzung zugeführt wird – hätte dann zwischen
22 und 6 Uhr nicht gearbeitet werden dürfen. Doch dazu kam es nicht. Erstmals fehlt dem Projekt der Rückhalt in der Politik.„Es ist nicht unsere Aufgabe, dem Investoren die Rendite zu sichern. Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel“, sagt Claus Christian Claussen (CDU). „Die Anlagen machen mehr Lärm, als bisher behauptet. Wir müssen die Anlieger schützen.“ Mit in der Nacht herunter geregelten Windkraftanlagen könnte sich das ganze Projekt als nicht mehr wirtschaftlich erweisen. Dabei geht es eigentlich nur um maximal 1,2 Dezibel über dem Grenzwert. Noch dazu auf einem Gelände, das vielleicht nie genutzt wird.

Drei Fraktionen dagegen

Doch Vorschrift ist Vorschrift. Bauamtsleiter Jürgen Engfer: „Wir müssen nun untersuchen, ob sich das Projekt dennoch rentiert.“ Andernfalls würde die Stadt wohl auf den Planungskosten sitzenbleiben. Viele Stadtvertreter zeigten sich verwundert über die Kehrtwende der Christdemokraten. „Die CDU hat eine Hintertür gefunden“, ärgert sich Wiebke Garding-Witt (Grüne) und befürchtet: „Damit wird das Gebiet freigegeben für die Nutzung durch einen privaten Investor.“
Ihre Parteikollegin Isabell Steinau sagt: „Wir als Politiker müssen unsere Glaubwürdigkeit wahren. Wir können die gesetzlichen Vorgaben nicht an das Projekt anpassen.“
Auch die Mitglieder der WfB und FDP verweigerten ihre Zustimmung. Allein die Sozialdemokraten stimmten geschlossen für die sogenannte „Dienstbarkeit“. Entsprechend groß war der Ärger über die sprichwörtliche Änderung der Windrichtung bei den übrigen Fraktionen. „Die Debatte um den Bürgerwindpark ist das klassische Beispiel, wie die Energiewende kaputt geredet wird“, beschwert sich Peter Anklam (SPD). Parteikollege Andreas Bäuerle: „Jeder will die Energiewende. Nur bitte nicht im eigenen Hinterhof.“
Derzeit wird an allen Fronten gekämpft: Vor ein paar Wochen stellte die Initiative „Gegenwind Bargteheide“ ein Denkmalschutzgutachten vor, das dem Projekt in der Form mit seinen fast 200 Meter hohen Windrädern eine klare Absage erteilte. Zu groß sei die Beeinträchtigung umliegender denkmalgeschützter Orte wie dem Jersbeker Park oder dem Eiskeller. Ein anschließend von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigte diese Erkenntnis in Teilen und empfahl eine Prüfung durch die Untere Denkmalschutzbehörde.
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