Geheimnisse des Bahnhofs

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Stefan Gloge zeigt die Filteranlage im Atomschutzbunker unter dem Bahnhof Foto: fnf

Bunker und mehr: Am Tag des offenen Denkmals lädt Stefan Gloge Besucher ein

Von Finn Fischer
Bargteheide
Atomschutzbunker, Geheimgänge, Katakomben. In diesem Bahnhof steckt viel Geschichte. Am Tag des offenen Denkmals, 13. September, öffnet der Besitzer des Bahnhofsgebäudes dessen Türen für die Öffentlichkeit.
„Der Bahnhof ist für die Stadt schon immer von großer Bedeutung gewesen“, sagt Stefan Gloge, der seit drei Jahren im Besitz des historischen Gebäudes ist. „Ohne die frühe Bahnanbindung hätte sich Bargteheide wohl nicht so entwickelt.“ Im Jahr 1860 fiel die Entscheidung zum Bau des Bahnhofs, fünf Jahre später wurde er in Betrieb genommen. Seitdem hat sich der Grundriss nicht wesentlich verändert. Im Erdgeschoss des Nordflügels lässt sich noch die alte Gepäckabfertigungshalle erahnen, im Haupttrakt hat die Deutsche Bahn einen Service Shop eingerichtet, auf der rechten Seite des Gebäudes ist Stellwerkstechnik untergebracht. „In den beiden Obergeschossen haben wir Wohnungen eingerichtet, vier Einheiten im ersten Stock und drei weitere unter dem Dach“, so Stefan Gloge.

Atomschutzbunker im Keller des Südflügels


Richtig interessant wird es im Keller des Südflügels. Hier hat der Kalte Krieg seine deutlichen Spuren hinterlassen – in Form eines Atomschutzbunkers unter den Fahrradständern. „Der Bunker war nicht etwa dafür gedacht, im Falle eines atomaren Schlages die Bevölkerung zu schützen. Die Besatzung des Bunkers hätte im Ernstfall den Eisenbahnbetrieb auf der Strecke sicherstellen sollen“, erklärt Gloge. Noch immer ist der Atomschutzbunker eingerichtet wie zu seiner Entstehung, inklusive historischem Dreifach-Luftfiltersystem, Notfallausrüstung, Klappbetten und allerlei Technik Anno 1960.
„Theoretisch ist die Anlage noch funktionsfähig. Die Luftfilteranlage funktioniert noch. Nur der Geheimgang wurde zugemauert“, erklärt Gloge und zeigt auf eine rote Öffnung im hinteren Teil des Bunkers. „Das hier sind Orte, die in Vergessenheit geraten. Sicherlich besonders interessant für jüngere Menschen, die die Zeit des Kalten Krieges nicht selbst erlebt haben.“
150 Jahre ist das Bahnhofsgebäude alt. In dieser Zeit wurden hier unzählige Fahrgäste abgefertigt. Derzeit nutzen täglich rund 5.300 Menschen den Bahnhof. Bald hat der Bahnhof jedoch endgültig ausgedient. Schon lange sind Technik und Streckenlegung veraltet. Durch den schmalen Mittelbahnsteig ist der Bau einer Fußgängerbrücke nicht möglich. Zu den Zügen gelangen die Fahrgäste nur über einen Bahnübergang, der manuell von Bahnmitarbeitern bedient wird.

Gleisanlagen umgebaut


Für die geplante S-Bahn-Linie (S4) wird ein neuer Bahnhof etwa 150 Meter südlich entstehen. Gloge: „Dann wird das Gebäude zu einem reinen Wohngebäude.“ Bis dahin sollen noch Dach und Fassade erneuert werden. Führungen gibt es am Tag des offenen Denkmals, 13. September, um 11, 13 und 15 Uhr, außerdem von 11 bis 18 Uhr eine Ausstellung mit Kaffee und Kuchen im Büro von Bündnis 90/Die Grünen. Um 16 Uhr spricht Stefan Gloge im Grünen-Büro.

Weitere Infos: Denkmaltag, Bahnhof Bargteheide
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