„Gleiche Chancen für alle“

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Ingo Loeding, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Stormarn Foto: cs

Kinderschutzbund fordert mehr Hilfe für arme Familien

Bargteheide Bargteheide ist eine wohlhabende Stadt. Auch für das kommende Jahr lautet die Prognose Schuldenfreiheit. Das ist die eine Seite. Ihr gegenüber stehen 180 Kinder und ebenso viele Familien, die von Hartz IV leben.
400 Kinder sind allein in Bargteheide von Armut betroffen. „Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Vermutlich sogar bei 500 Kindern“, sagt Ingo Loeding, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB), Kreisverband Stormarn. In Deutschland gelten Kinder als arm, wenn sie einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf Hartz IV, Wohngeld oder Sozialhilfe haben. Im reichen Kreis Stormarn sind laut Armutsatlas 6.500 Kinder arm, das bedeutet jedes sechste Kind ist betroffen. Dass den Bargteheider Politikern das Thema Kinderarmut am Herzen liegt, zeigte die dazu einberufene Sitzung des Haupt- und Sozialausschusses gemeinsam mit dem Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport in der vergangenen Woche.

Familien ziehen weg


„Jedes Kind ist wichtig. Man muss die Individuen sehen und nicht nur auf Tendenzen in der Statistik blicken“, so Loeding. Denn die besagt, dass die Anzahl der Kinder, die in Bargteheide von Hartz IV leben, um die Hälfte zurückgegangen ist. „Ein Novum“, so der Geschäftsführer, der in der Entwicklung aber auch sieht, dass eben viele betroffene Familien die Stadt verlassen. „Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum.“ Außerdem sei es für Familien, die von Hartz IV leben schwierig, in einer Stadt wie Bargteheide am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. „Gerade die Ausgaben für die Schule, Ausflüge, das Taschengeld bei einer Klassenreise oder Geburtstagsgeschenke für Klassenkameraden führen immer wieder zu Engpässen“, kritisiert er. In der Konsequenz bedeutet dies, dass viele Familien aus Bargteheide wegziehen. Bad Oldesloe sei zu der Armutshochburg im Kreis geworden. Der andauernde, finanzielle Druck, der auf den Eltern laste, werde auch in der Erziehung der Kinder spürbar. Deshalb sei es nach Loedings Ansicht umso wichtiger, die Kinderarmut nicht nur am Geld festzumachen. „Es muss eine Chancengleichheit her“, fordert er. Frühe Hilfen, soziale Netzwerke sowie die Begleitung von Familien in schwierigen Lebenssituationen sind wichtige Kriterien. „Nur noch zwei Drittel der Ferienpassangebote seien in Bargteheide kostenlos. Früher waren das mal alle“, beklagt Loeding. Man müsse noch mehr für die Betroffene tun. „Wir sind bei diesem Thema noch nicht so solidarisch, wie wir es bei der Flüchtlingsthematik sind.“ (cs)
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