Guter Job, schlecht bezahlt

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Hebamme Mirte Held (rechts) gibt Melanie Schmaljohann praktische Tipps, wie sie ihr Baby am besten beruhigt und liebevoll umsorgt.

Hebammen fordern 30 Prozent mehr Lohn

Von Jutta Strauss
Bargteheide. Die in Bargteheide und Umgebung meist freiberuflich tätigen Hebammen unterstützen werdende Mütter mit Schwangerenberatung, Geburten- und Wochenbettbetreuung sowie Rückbildungsbetreuung. Von großer Bedeutung ist die Betreuung während der Geburt.
„Bei einer normalen Geburt darf die Hebamme allein die Geburt leiten. Ein Arzt muss eine Hebamme zuziehen, darf nur im Notfall die Geburt allein betreuen“, erklärt Angela Doppler, Hebamme in Bargteheide. Die Geburtenbetreuung können sich viele Hebammen kaum noch leisten. „Das liegt an der hohen Berufshaftpflicht. Pro Jahr zahle ich 365 Euro. Damit sind nur Schwangerenvorsorge, Wochenbettbetreuung und Hilfen bei Beschwerden in der Schwangerschaft abgedeckt.“ Hebammen, die das Komplettpaket anbieten, zahlen rund 3.700 Euro pro Jahr.
Dabei waren die Prämien schon ab 2010 von 2.200 Euro auf 3.700 Euro angestiegen. Grund für diese Erhöhungen sind steigende Regressforderungen bei Schadensfällen in den vergangenen Jahren.Seit Juli ist die Prämie um weitere 15 Prozent erhöht worden. Diese Beiträge stehen aus Sicht vieler Hebammen in keinem Verhältnis zu ihren Einkünften.
Das bestätigt auch Mirte Held, Hebamme aus Ahrensburg. „Der Satz, den wir pro vollendeter Haus- oder außerklinischer Geburt erhalten beträgt circa 500 Euro. Wenn die Geburt in der Klinik beendet wird, nur bei 230 Euro.“ Für die 23-Jährige ein Grund, Geburtenbetreuung gar nicht anzubieten. Ebenso wie Kollegin Angela Doppler, macht die Hebamme jeden Tag Hausbesuche. Fürsorglich widmet sich die Ahrensburgerin den Belangen der Frauen. „In Stormarn gibt es rund 36 Hebammen. Nur ein Fünftel bietet noch Geburtenbetreuung an“, sagt sie. Das kommt für Mirte Held derzeit nicht in Frage. Sie konzentriert sich auf die übrigen Leistungen. So besuchte die Hebamme jüngst Melanie Schmaljohann, die gerade Söhnchen Levin zur Welt gebracht hat. „Sie hilft nicht nur dem Kleinen. Wenn ich Fragen habe, ist sie für mich da“, so die junge Mutter. Mirte Held und ihre Kolleginnen müssen akribisch haushalten.
Edith Wolber, Pressesprecherin des Hebammenverbandes: „Die Einkommen liegen bei einem Stundenlohn von rund 7,50 bis 10 Euro netto. Wir fordern 30 Prozent mehr Einkommen“.
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