Herausforderung Deutschkurs

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Das Koordinationsteam der freiwilligen Deutschlehrer für Flüchtlinge: Philipp Schwanenberg, Dr. Isaac Gieshoidt und Claudia Wendland Foto: fnf
 
Bei der zweiten Lehrerkonferenz trafen sich alle freiwilligen Lehrkräfte in der Cafeteria der Stormarnschule Foto: fnf

Gut funktionierendes Helfernetzwerk muss auf Veränderungen im Asylwesen reagieren

Von Finn Fischer
Ahrensburg
Was als kleine Koordinationsstelle für Flüchtlinge angefangen hat, ist mittlerweile zu einer ehrenamtlichen Sprachschule gewachsen: 62 Lehrer, Helfer und Koordinatoren des Freundeskreises für Flüchtlinge vermitteln neu ankommenden Migranten in Ahrensburg Sprachkenntnisse in Deutsch – immer professioneller, aber weiterhin freiwillig und unentgeltlich. 168 Schüler, darunter viele Kinder, sind mittlerweile eingeschrieben. Einige sind darunter, die jede Deutschstunde besuchen, die sie bekommen können, um sich möglichst schnell verständigen zu können.
„Wir haben uns als grundsätzlichen Maßstab gesetzt, dass alle Kurse kontinuierlich stattfinden sollen. Daher gibt es pro Kurs nicht nur einen Lehrer, sondern meist ein ganzes Team“, erklärt Philipp Schwanenberg vom Deutschkurs-Koordinationsteam. „So werden Ausfälle kompensiert.“ Eigentlich funktioniert das Deutschkurs-Projekt des Freundeskreises gut. Es gibt zahlreiche Ehrenamtler, die sich einbringen. Unterstützung erhalten die Freiwilligen in Form von Unterrichtsmaterialen und Zubehör aus der Ahrensburger Geschäftswelt – und natürlich von der Stadtverwaltung. „Die Situation wird sich nicht verbessern. Im Gegenteil. Es ist wohl davon auszugehen, dass die Flüchtlingsströme nicht abebben“, so Bürgermeister Michael Sarach. Wöchentlich kämen derzeit 15 Menschen nach Ahrensburg, die integriert werden müssen. „Eigentlich ist das, was hier geleistet wird, eine staatliche Aufgabe“, so Sarach. Ohne eine Initiative wie den Freundeskreis sei die Aufgabe aktuell nicht zu leisten.

Viele sind Analphabeten


Es sind Ahrensburger wie Gisela Bartelsen, die viel Zeit in die Bewältigung der Flüchtlingskrise stecken und ihren Beitrag leisten: „Viele der Schüler haben noch nie einen Bleistift in der Hand gehabt, waren noch nie in einer Schule und können selbst in ihrer Sprache nicht lesen und schreiben“, sagt die freiwillige Helferin. Als pensionierte Grundschullehrerin hat die Freiwillige langjährige Erfahrung beim Vermitteln des Lernstoffs.
„Ein bisschen ist das wie in einer ersten Klasse, aber mit dem Unterschied, das die Kinder an einer Grundschule schon die Sprache können. Wir arbeiten mit Bildern, um die Wörter und Buchstaben zu erklären.“ Zweimal in der Woche unterrichtet Gisela Bartelsen mit mehreren Kollegen derzeit zwischen acht und zwölf Schüler. Insgesamt sind es vier Zeitstunden in der Woche, die die freiwilligen Helfer mit ihren Schützlingen verbringen. Eine Klasse hat Bartelsen bereits alphabetisiert, der erste Schritt zum Erlernen der Sprache. Der nächste Kurs ist Mitte Dezember so weit.
Mit einem neuen Gesetz übernimmt die Bundesregierung nun Verantwortung bei der Flüchtlingsintegration – oder versucht es zumindest. Seit Anfang November können auch Asylbewerber kostenlose Deutsch- und Integrationskurse besuchen. Durch das neue Gesetz stehen kurzfristig Finanzmittel für Integrationskurse zur Verfügung, mit denen professionelle Anbieter – etwa die Volkshochschule – nun Kurse anbieten können. Allerdings nur für Flüchtlinge, die gute Bleibeperspektiven haben – also aus Syrien, Eritrea, aus dem Iran oder Irak kommen. Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern bleiben außen vor. „Bei uns kann jeder mitmachen, egal welcher Nationalität. Wir wollen alle Flüchtlinge integrieren und nicht nur die aus vier Ländern“, so Philipp Schwanenberg. Das Problem ist nun allerdings, dass viele, die bei dem neuen Integrationsgesetz nicht berücksichtigt werden, aus Sorge vor Abschiebung untertauchen und nun auch die kostenlosen Deutschkurse nicht mehr besuchen.

D

er Freundeskreis sucht Helfer


„Die dadurch entstehende Fluktuation macht strukturierten Unterricht schwierig. Es entstehen urplötzlich keine neuen Kurse mehr und bestehende verlieren Teilnehmer“, so Schwanenberg. Dabei ist auch für sie genauso wichtig, sich mit Sprache und Kultur auseinanderzusetzen. „Wir wollen hier nicht nur deutsche Sprachkenntnisse vermitteln. Genauso wichtig ist für uns, dass die Teilnehmer auch die Werte unserer Gesellschaft mitbekommen“, so Dr. Isaac Gieshoidt, ebenfalls Koordinationsteam.

Freiwillige Helfer werden laufend gesucht. Kontakt: deutschkurs@fkfa.de oder 0176/55 09 99 96
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