Hilfe auf vier Hufen

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Mona Pelz mit der fünfjährigen Rappstute Rapunzel und der Schleswiger Kaltblutstute Ursula Foto: M. Keil
 
Stute Mandy war beliebt bei den Kleinen. Sie durfte inzwischen aufs Altenteil Foto: wb

Dahmker: Mona Pelz und ihre Pferde heilen Kinderseelen

Von Manuela Keil
Dahmker
Die Sonne scheint. Die Vögel zwitschern. Maja, Rapunzel und Little genießen die Morgensonne. Die drei Pferde leben mit neun Schleswiger Kaltblütern auf dem Hof Zingelmann in Dahmker in der Nähe von Trittau. Das Leben in einer intakten Herde ist besonders wichtig, denn die drei sind ein wichtiger Teil des pädagogischen Konzepts des SOS-Kinderdorfes in Norderstedt und die vierbeinigen Hauptakteure in einem neuen Projekt.
Die Leiterin dieses pferdegestützten Projekts ist Mona Pelz. Seit 15 Jahren arbeitet die 40-Jährige im SOS-Kinderdorf und betreut die Kinder als Pädagogin. Sie kennt sich aus mit Kindern aus belasteten und schwierigen Familien. Seit vier Jahren unterstützen nun die Pferde ihre therapeutische Arbeit mit den zum Teil schwer traumatisierten Kindern. „Dabei geht es jedoch weder um Ponyreiten, noch um klassisches Sportreiten oder um therapeutisches Reiten, wie man es mit behinderten Menschen kennt“, stellt Mona Pelz klar. Es gehe vielmehr darum, die Kinder in ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Psyche zu stärken. Kinder, die bisher in ihrem Leben häufig statt liebevoller Akzeptanz nur Distanz, Gleichgültigkeit oder gar Gewalt kennen. Mit den Pferden lernen sie eine neue Dimension kennen.
Als soziale und kommunikative Wesen spiegeln die Tiere das Verhalten der Kinder und sind quasi Türöffner für ein respektvolles und vertrauensvolles Miteinander und Empathie. „Pferden ist nicht wichtig, wie groß oder klein jemand ist, ob er Markenjeans trägt oder welche Position er im Leben hat“, sagt Mona Pelz. Pferde leben im Hier und Jetzt und reagieren immer direkt.

Für Kinder und Jugendliche bis 16


So beginnt die Arbeit der Kinder mit den Pferden auch immer auf der Weide. Mona Pelz begleitet Kinder und Pferde, sie gibt den Rahmen vor, setzt jedoch nur wenige Regeln. Sicherheit für Tiere und Kinder ist immer das oberste Gebot. Außerdem passt sie das Programm jeweils an die Tagesform, Wetter und Befindlichkeiten der Kinder an. Und manchmal erlebt sie Überraschendes. So kamen die älteren Jungs, 13 und 14 Jahre alt, eines Tages derart aufgebracht in die Halle, dass die Pferde wild herumtobten, weil sie deren starke Energie spürten. So konnten die Jungen nicht zu den Pferden. Dann kamen sie auf die Idee zu singen. Und siehe da, die Pferde beruhigten sich zusehends. Die Kinder, die am Pferdeprojekt teilnehmen, sind zwischen vier und 16 Jahre alt, fast alles sind Jungen und alle kommen freiwillig nach Dahmker. Manchmal wird geritten, es werden Geschicklichkeitsspiele mit dem Pferd in der Halle gemacht. An anderen Tagen werden die Pferde geputzt und Stalldienst erledigt. Die Kinder erleben, dass sie den Tieren Gutes tun können. Sie übernehmen Verantwortung und haben positive Erlebnisse. Zudem können sie sich bei den Tieren von der Betriebsamkeit im Kinderdorf erholen. Und - manche von ihnen erleben sich zum ersten Mal in ihrem Leben als selbst wirksame und fürsorgliche Wesen. Denn Pferde suchen als Flucht- und Herdentiere eine klare und sichere Führung, und die Leitstute weist unmissverständlich der Herde den Weg. Pferde folgen daher dem Menschen, wenn dieser sich klar, selbst- und zielbewusst zeigt. „Pferde sind perfekt in Körpersprache“, sagt Mona Pelz. „Sie erkennen die innere Haltung des Menschen und merken auch Zweifel. Sind die Signale der Kinder nicht eindeutig, befassen sich die Tiere einfach mit etwas anderem.“

Viertes Pferd geplant


Damit Veränderungen und Fortschritte der Kinder auch im Kinderdorf-Alltag bemerkt und gefördert werden, arbeiten alle Pädagogen eng zusammen. Außerdem gibt es Supervision – und einen Trainer für die Pferde. Denn auch für sie ist die Arbeit anstrengend.
„Sie spüren die Belastungen der Kinder“, sagt Mona Pelz. Für das Projekt, das vor vier Jahren mit einem Leihpferd begann, wird demnächst das vierte Pferd vom SOS-Kinderdorf angeschafft.
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