Hof „Wokini“ in Gefahr

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Alena Knoff (6) aus Schwarzenbek mit einem Pony, um das sie sich auf dem Hof „Wokini“ kümmert
 
Viele Mütter bringen ihre Kinder zum Reiten auf den Hof. Nun wurde der Pächterin (r) gekündigt

Pacht der Auffangstation für Problempferde läuft aus

Köthel. Vorsichtig fährt Alena Knoff dem Pony mit der Striegelbürste durch die Mähne. Immer wieder streichelt sie es und spricht beruhigend auf das Tier ein. Seit ein paar Wochen ist die Sechsjährige freitags auf dem Hof „Wokini“, in der Straße Donnerblock. Die Schwarzenbekerin bekommt hier Reitunterricht von Marina Kassebaum. Doch schon bald könnte Alenas Freude hier vorbei sein: Zum Jahresende läuft die Pacht des Hofs „Wokini“ aus. Der Besitzer hat den Vertrag nicht verlängert. Grund sind offenbar Unstimmigkeiten über die Art der Tierhaltung.
„Wokini“ heißt in der Sprache der Lakota-Indianer „ein Leben in Frieden und Glück“. Für manches Pferd in Köthel könnte das zutreffen: Es gibt keine Boxen, nur Unterstellmöglichkeiten, die die Pferde selbst aufsuchen. Neben 17 Pferden gibt es auf dem Hof zwei Lamas, vier Ziegen, sechs Kaninchen und vier Meerschweinchen.
Marina Kassenbaum, die den Hof „Wokini“ betreibt,muss nun schnellstmöglich eine Alternative finden. Bei den Pferden handelt es sich zum größten Teil um schwierige Pferde, die Marina Kassebaum, die von allen „Rina“ genannt wird, vor dem Schlachthof rettete. Seit über 30 Jahren arbeitet sie sehr erfolgreich mit Problempferden. „Scheuen, buckeln, beissen: Es gibt für jedes Problem eine Lösung“, so das Credo von Rina Kassebaum. „Der Schlachthof ist keine Lösung.“
Marina Kassebaum, Betreiberin des Hofes Wokini, weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Der Pachtvertrag für ihren Pferdehof läuft zum Jahresende aus. Der Grundstücksbesitzer will diesen nicht verlängern. Beide haben unterschiedliche Auffassungen, wie Tiere gehalten werden sollen. Ihr Umgang mit Pferden: Das ist genau das, was die Eltern an Rina Kassebaum schätzen, die ihre Kinder auf den Hof zum Reitunterricht bringen. Sie mögen, dass die Pferde ihren Freiraum haben und es keine Boxen gibt, sondern nur einen Unterstand. „Rina unterrichtet mit Herz und Seele“, sagt Maike Knoff, deren Tochter
Alena hier reiten lernt.

Reitunterricht für sozial benachteiligte Kinder

Viele der 17 Pferde auf dem Hof sind alt oder haben Verhaltens-auffälligkeiten. Marina Kassebaum hat einige vom Schlachter gerettet. Einer von ihnen
ist Schimmel „Wash Tai“. „Dem Pferd ging es richtig schlecht“, erzählt Kassebaum. „Der Wallach wurde geschlagen. Spindeldürr und bis auf die Knochen herunter gehungert holte ich ihn zu mir.“
Rina Kassebaum geht es nicht nur um die Bedürfnisse ihrer Tiere, sie gilt auch als umsichtig mit ihren jungen Reitschülern. So beginnen Kinder bei ihr den Unterricht ohne Sattel und Zügel. Im vergangenen Sommer fand erstmals Ferien-Reitunterricht für sozial benachteiligte Kinder statt. Jeden zweiten Donnerstag kommen Familienhelfer des Jugendamtes mit ihren Schützlingen auf den Hof. Beim Reiten können die Kinder entspannen. Mit Stallarbeit dürfen sich Jugendliche, die sich Reitstunden nicht leisten können, das Geld für den Unterricht selbst verdienen. Doch noch haben Marina Kassebaum und ihre Mitstreiter nicht aufgegeben. Sie hoffen, dass sie einen Hof mit Scheune und vier bis sechs Hektar Land für die Tiere finden. Wer der Tierfreundin weiterhelfen will, kann sich unter Tel.: 04159/ 82 59 067 melden. (fp)
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