Idee: Bargteheide stellt eigene Hebamme an

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Angela Feldmann kritisiert die Situation für Hebammen und bittet die Stadt um Hilfe Foto: cs

Geburtshelferinnen in Existenznot bitten Politik und Verwaltung um Hilfe

Bargteheide. Auf Bundesbene läuft die Debatte um die Probleme freiberuflicher Hebammen bereits seit einiger Zeit, jetzt hat das Thema Bargteheide erreicht. Im Sozialausschuss wandten sich die Hebammen mit einem Hilferuf an Politik und Verwaltung. Sie erklärten, dass erhöhte Versicherungsbeiträge und geringes Einkommen ihre Berufsgruppe stark schwächen würden. Bürgermeister Dr. Henning Görtz signalisierte Verständnis und Hilfsbereitschaft. „Die Hebammen müssen zunächst konkrete Pläne erarbeiten, wie die Stadt ihre Situation erleichtern kann.“
Eine erste Idee hat Angela Feldmann, Chefin der Hebammenpraxis an der Lübecker Straße 22 bereits. „Die Stadt sollte ihre eigene Hebamme anstellen, ähnlich wie es der Deutsche Kinderschutzbund mit den Familienhebammen macht.“ Damit wäre die Versorgung für die Schwangeren vor Ort gewährleistet und Bargteheide hätte eine absolute Vorreiterposition. Wie es mit ihrer Praxis weitergehen soll, weiß Angela Feldmann, noch nicht. Sie und ihre vier Kolleginnen betreuen im Schnitt pro Jahr 150 bis 180 Familien aus Bargteheide und Umgebung. Schon jetzt sind sie bis zum Sommer ausgebucht.
Danach hört eine Kollegin auf, um noch einmal studieren. Eine weitere geht in Teilzeit, da sie mit einem zweiten Beruf „ihren Lebensunterhalt finanzieren muss. „Wenn mich im Oktober eine Schwangere anruft, kann ich ihr nicht mehr versprechen, sie bis zur Geburt zu betreuen“, so die 54-Jährige, die seit 24 Jahren in Bargteheide tätig ist. Ob es dann noch eine Hebamme gibt, die auch Geburtshilfe anbietet, ist offen.
Dass ihre Kollegen das Handtuch werfen, versteht sie: „Bei beiden ist es die schlechte finanzielle Situation und die ungewisse Zukunft, die sie zum Wechsel zwingt“, sagt Angela Feldmann. Ihre vier Kolleginnen arbeiten auf freiberuflicher Basis. Mit 8,50 Euro durchschnittlichem Stundenlohn komme keine von ihnen gut über die Runden. „Es ist doch erschreckend, dass man von dem Beruf nicht leben kann“, so Feldmann. Hinzu kommt, dass freiberufliche Hebammen, die in der Geburtshilfe tätig sind, ab Juli jährlich 5.000 Euro an Haftpflichtversicherungbeiträgen zahlen müssen. Summen, die kaum eine ihrer Kolleginnen stemmen kann. „Ohne Versicherung dürfen wir nicht arbeiten, das käme einem Berufsverbot gleich“, betont die Bargteheiderin. Doch allein von Schwangerenbetreuung, Geburtsvorbereitung, Gymnastikkursen oder Stillberatung können die Hebammen nicht wirtschaftlich arbeiten.
Den Grund für die schwierige Situation ihrer Berufsgruppe sieht Angela Feldmann in der Gesetzgebung. Versicherungen können in Deutschland bis zu 30 Jahren nach einer Geburt in Regress genommen werden. Dafür benötigen sie große finanzielle Rücklagen. (cs)
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