„Inklusion ist eine Bereicherung“

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Einrichtungsleiter Frank Michelsen (li.) und Torsten Bierbach (Produktionsleiter) feiern in diesem Jahr den 40. Geburtstag der Stormarner Werkstätten Foto: C. Yaman

40 Jahre Stormarner Werkstätten: Eine Bilanz über Veränderungen, Erfolge und Aufgaben

Von Cetin Yaman
Ahrensburg In diesem Jahr feiern die Stormarner Werkstätten ihren 40. Geburtstag. Was hat sich verändert, welche Erfolge und Aufgaben gibt es? Das Wochenblatt warf einen Blick hinter die Kulissen der Einrichtung.
Im Jahr 1974 in Ahrensburg mit 90 Plätzen gegründet, von denen im ersten Jahr 38 besetzt werden konnten, hat die Einrichtung mittlerweile mit insgesamt 345 Arbeitsstellen die Größe eines mittelständischen Unternehmens. Ein Standort befindet sich in der 1993 hinzugekommenen Gärtnerei in Bargteheide. Ein weiterer für Menschen mit psychischen Behinderungen im Tatwerk Reinbek. Seit 2000 ist in der Zentrale in Ahrensburg auch eine Tagesförderstätte für 30 Menschen hinzugekommen.
Das Besondere an den Stormarner Werkstätten, die eine Einrichtung des Diakonie Hilfswerks Schleswig-Holstein (DHW) sind, ist, dass die Mitarbeiter nahezu ausschließlich Menschen mit Behinderung sind. Ziel ist es, diesen Menschen nicht nur sinnvolle und ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit anzubieten, sondern sie auch im Idealfall für den freien Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Die Werkstatt wird als Produktionsbetrieb geführt. Die Förderung und Forderung, die Stärkung der Persönlichkeit, das Festigen von Selbstvertrauen und die Motivation stehen an erster Stelle.
Gearbeitet wird unter fachlicher Anleitung in den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung, Elektromontage, Verpackung, Aktenvernichtung sowie Garten- und Landschaftsbau. Daneben gibt es noch sogenannte Außenarbeitsplätze, die in einigen Fällen auch dazu führen können, dass sie in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze übergehen. Einrichtungsleiter ist Frank Michelsen, der seit 2006 für die Stormarner Werkstätten tätig ist. Er sieht eine positive Entwicklung seit den 70er Jahren: „Heute bezieht man die Menschen mit Behinderung bei den Planungen mit ein. Früher hatte man einfach über sie bestimmt. Jetzt überlegt man sich in einem Dialog gemeinsam, was möglich ist“. Er sieht aber dennoch die Umsetzung der Inklusion als nicht einfach an. „Inklusion wird seit einigen Jahren in der Politik eifrig diskutiert. Ich denke aber, dass es eher eine Frage von Generationen ist, bis Inklusion in allen Gesellschaftsteilen gelebt wird.“ In den Stormarner Werkstätten ist man bei diesem Thema sehr weit. Die Teilhabe an der Gesellschaft ist hier Realität. Und genau so sollte es überall sein, so der Einrichtungsleiter: „Im Endergebnis stellt der Inklusionsgedanke für alle eine Bereicherung dar, wenn man es schafft, dass ein Mensch mit Handicap wie jeder andere auch in einem Betrieb arbeitet. Das ist unser Auftrag“.
Für Unternehmen, die bei den Stormarner Werkstätten eine Arbeit ausführen lassen, gibt es finanzielle Anreize. So werden 50 Prozent des Auftragsvolumens für die Ausgleichsabgabe angerechnet, falls ein Betrieb keine Menschen mit Behinderung eingestellt hat. Die Kundenvielvalt der Werkstätten reicht von Privatpersonen bis zu großen Industriefirmen. Die Auftragsbücher sind momentan gut gefüllt.
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