Kirchengemeinde Sandesneben zeigt sich tolerant

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Der feierliche Einzug in die St. Marienkirche Sandesneben der Pröpstin Frauke Eiben mit den neuen Pastoren Stephan Rost und Ciprian Matéfý (r.) Foto: Pantelmann

Homosexuelles Pastorenpaar im Amt

Von Margret Pantelmann
Sandesneben
Nach langen Monaten der Vakanzvertretung hat die Kirchengemeinde Sandesneben die Pastorenstellen wieder fest besetzt. Bei einem Einführungsgottesdienst hat Frauke Eiben, Pröpstin für den Kirchenkreis Lauenburg, Stephan Rost (38) ein Pfarrdienst-Verhältnis auf Lebenszeit übertragen, Ciprian Matéfý (34), beruflich bedingt noch Vikar, wurde in den Probedienst der Landeskirche berufen.Damit haben beide Pastoren, die als gleichgeschlechtliches Ehepaar seit zwei Jahren verheiratet sind, ihren Wirkungskreis von Sachsen in die Nordkirche verlegt. Generell gelten auch für Pastoren mit eingetragenen Lebenspartnerschaften die gleichen Regelungen wie für Ehe und Familie, doch in Sachsen gab es Kritik am Zusammenleben der beiden. In unterschiedlichen Pfarrstellen der Sächsischen Landeskirche arbeitete Rost zuletzt in der Nähe von Leipzig, Matéfý in Dresden. Ihnen bedeute es sehr viel, gemeinsam in einer Gemeinde zu leben und zu arbeiten. Frauke Eiben ging bei ihren einführenden Worten nicht darauf ein, was im Gegensatz zu Sachsen in der Nordkirche möglich wurde. Beim anschließend Empfang erklärte sie: „Eine Lebensform gehört nicht in den Einführungsgottesdienst, der gerade an solchem Tag auf eine normale Ebene zu heben ist.“ Außerdem würde die Lebensform dieser Pastoren hinreichend bekannt sein. Zwei Schwerpunkte waren dem Kirchengemeinderat bei der Ausschreibung der Pastorenstellen wichtig: die religionspädagogische Begleitung der Kitas und die Flüchtlingsarbeit. „Damit sind Sie auf Sandesneben aufmerksam geworden“, richtete die Pröpstin an die neuen Pastoren. Stephan Rost lobte in seiner Predigt „die große Offenheit und Neugier“ der Bürger der Kirchengemeinde Sandesneben. „Hier haben wir ein flaches Land, aber einen weiten Horizont“, erwähnte er in Anspielung auf seine Lebenssituation. Die Kirche stelle er sich als Gemeinschaft vor, „die Kraft, Trost und Halt gibt, wenn jeder seinen eigenen Teil dazu tut und wir in der Liebe eingewurzelt sind.“ Zum Einführungsgottesdienst, „um die Pastoren zu unterstützen“, waren Urte und Peter Urgien aus Schönberg gekommen. „Im Vorfeld hat es auch Ablehnung gegeben. Wichtig ist doch, dass sie ihre Arbeit gut machen. Und die Predigt hat uns außerordentlich gut gefallen“, sagten sie auf dem Weg in das Gemeindehaus, in dem zum Empfang geladen wurde. „Wir finden es wunderbar, auch dass die Stelle endlich wieder besetzt ist“, bestätigten auch Lexa Harloff-Düring und Johannes Düring. Begeisterung über die neuen Pastoren auch bei der Jugendgruppe, die schon jetzt das Engagement der beiden erkannt hat. „Wir sind alle total angetan, und keiner stört sich bei uns an der Lebensgemeinschaft“, berichtete Ingrid Kröger mit uneingeschränkter Freude über die beiden Pastoren. Seit 27 Jahren ist sie im Kirchenvorstand engagiert und ließ sich jetzt als zweite Vorsitzende wählen. „Als Vorsitzenden wollten wir unbedingt Ciprian Matéfý“, betonte sie.
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