Kleines Glück auf 40 Quadratmetern

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Ein „Mini-Containerdorf“ für Flüchtlinge ist in Großensee entstanden Foto: Maurer
 
Schauten vorbei: Andrea Schröter, Flüchtlingsbeauftragte, Christina Henning, Fachdienst Soziale Hilfen, Amtsvorsteher Ulrich Borngräber und Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers (v.l.) Foto: Maurer

Wohn-Container in Großensee aufgestellt

Von Birgit Maurer und Olaf Jenjahn
Großensee
Das Amt Trittau ist gut gerüstet für die Aufnahme von Flüchtlingen: Vier neue Mobilheime präsentierte Amtsvorsteher Ulrich Borngräber jetzt in Großensee. Die 40 Quadratmeter großen Häuschen sind für die Belegung mit vier bis fünf Personen geeignet. Vier davon stehen jetzt auf dem ehemaligen Bolzplatz des Sportparks in Großensee, der kaum noch genutzt wurde. Zwei weitere wurden für Lütjensee bestellt. Dazu wurden ein Waschhaus mit Waschmaschine und Trockner sowie zwei zusätzliche Toiletten errichtet. Kosten pro Mobilheim: 46000 Euro. „Wir haben uns für diese Variante entschieden, weil man sie per Tieflader gut wieder abtransportieren kann und es einen guten Wiederverkaufsmarkt auf dem Campingmarkt gibt“, erklärt Borngräber. Die Mobilheime erfüllen die europäischen Standards für Campingplätze: Sie sind winterfest, haben gut isolierte Fenster, einen isolierten Fußboden mit 15 bis 20 Zentimeter Dicke sowie ein Belüftungssystem, das ohne Strom funktioniert. Hergestellt wurden sie in Polen, zufällig ganz in der Nähe von Trittaus Partnerstadt Wielisczew. Auf die Frage, warum das Amt nicht auf Hersteller von ähnlichen Unterkünften aus der Region zugegangen ist, antwortete Ulrich Borngräber: „Die Entscheidung, die Mobilheime anzuschaffen wurde im vergangenen Jahr in der Phase getroffen, als es darum ging, kurzfristig geeignete, flexibel aufzustellende und vor allen Dingen, wieder möglichst unkompliziert und mit einem hohen Wiederverkaufspreis zu veräußernde Unterkünfte zu erwerben. Auch die erforderlichen Rückbaumaßnahmen an den Standorten waren Kriterien: Fundamente und Bodenplatten, die unter anderem für stationäre und teilstationäre Gebäudekörper aus Holz- oder Betonfertigteilen in der Regel notwendig sind. Dazu wurden im Vorfeld umfangreiche Recherchen, Besichtigungen und Vergleiche sowie Gespräche mit Käufern der jetzt angeschafften Mobilwohnheime durchgeführt“.

Zur Verfügung stehen 80 freie Plätze


Daraus ergab sich, dass in der Lenkungsgruppe „Asyl“, dieses vom Amt entwickelte Modell in der geforderten Qualität, Raumnutzung, technischer Ausstattung und kurzfristiger verbindlicher Lieferzeit als Lösung präferiert wurde. Anschließend wurde dies mit dem Amtsausschuss und den betroffenen Gemeinden ausführlich kommuniziert und fand in den jeweiligen Gremien eine große Zustimmung. Wann die ersten Flüchtlinge dort einziehen werden, ist aber noch unklar. „Wir sind in der komfortablen Lage, derzeit 80 freie Plätze anbieten zu können, weil die Prognose des Landes im Vorjahr sich nicht erfüllt hat“, erläutert Borngräber. Man habe Wohnungen und Häuser angemietet und gekauft, die teilweise noch hergerichtet werden, weil man von 400 bis 600 Flüchtlinge bis Ende 2015 ausging. Es waren aber nur 300, die kamen, aktuell sind im Amt 239 Flüchtlinge untergebracht. „Im Moment gibt es keine Prognosen, wir müssen abwarten, was passiert“, sagt Borngräber. Von vornherein habe man auf dezentrale Unterbringung gesetzt. Die Kosten dafür werden von der Gemeinde über den Kreis an das Land weiter gegeben: 1000 Euro gibt es einmalig pro Flüchtling, dazu werden die Kosten für die Unterbringung vom Kreis getragen. Wer als Asylsuchender anerkannt ist, wird dem Jobcenter zugeordnet. „Trotzdem ist das nicht ganz kostendeckend, denn wir haben im Südkreis etwas höhere Mieten als im Norden. Da reicht die Pauschale manchmal nicht. Außerdem treten wir oft in Vorleistung“, erzählt Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers. Auch Energiekosten werden nur pauschal abgerechnet. Das Gelände am Sportplatz ist kein Baugebiet. Die Aufstellung der Mobilheime wurde vom Kreis für fünf Jahre genehmigt, mit der Möglichkeit, das zu verlängern. „Wir versuchen, bei der Belegung ein ausgewogenes Verhältnis herzustellen“, erklärt Christina Henning vom Fachdienst Soziale Hilfen des Amtes Trittau. Aber letztlich müsse man die Leute unterbringen, die vom Kreis zugewiesen würden.

Helfer jederzeit willkommen


Inzwischen wurde auch das Sozialamt um eine halbe Stelle erweitert und auch ein weiterer Hausmeister eingestellt. Zudem sind vier Sprach- und Kulturmittler unterwegs, die Arabisch, Farsi, Urdu, Kurdisch und Afghanisch sprechen und den Amtsmitarbeitern bei der Aufnahme helfen, aber auch im Krankheitsfall dolmetschen und Kulturunterschiede erklären. Zudem gibt es einen aktiven Freundeskreis Flüchtlinge, der 2014 von Ulrich Borngräber gegründet wurde. Rund 100 Ehrenamtler helfen derzeit bei Alltagsfragen, unterrichten Deutsch oder reparieren Fahrräder. „In Großensee gibt es keinen Flüchtling ohne Paten, aber wenn neue Menschen kommen, können wir weitere Ehrenamtliche brauchen“, weiß Flüchtlingsbeauftragte Andrea Schröter schon jetzt.

Wer Kontakt zu ihr aufnehmen und sich engagieren möchte, meldet sich entweder unter Telefon 0162/ 4796512 oder per Mail a.schroeter@trittau.de bei ihr
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