Krippenanbau Großensee kommt nicht voran

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Zwischen Wut und Unverständnis: Die enttäuschten Eltern Kathrin Jahncke, Malte und Käthe Ilemann, Verena Gärtner und Sina Landwehr mit ihren Kindern (v.l.) Foto: Pantelmann

Eltern fühlen sich hingehalten. Mütter können nicht arbeiten, mehr als 20 Kinder auf der Warteliste

Von Margret Pantelmann
Großensee
Hoffnungsvoll ging die Elterngruppe nach Hause, als ihr im Juli vergangenen Jahres die Erweiterung um zehn Krippenplätzen für diesen Sommer versprochen wurde. Doch bis heute ist kein Spatenstich getan. „Es ist hier ganz chaotisch gelaufen, es hat viele Versäumnisse gegeben“, beklagt Kathrin Jahncke, die als Vorsitzende des vereinseigenen Kindergartens Großensee ebenfalls auf einen Krippenplatz wartet. „Man hätte die Krippe vor fünf Jahren gleich größer bauen sollen. Sinnvoll wäre eine Planung in die Zukunft gewesen, wie die CDU es wollte und über den Tellerrand geguckt hat. Dieses Stückwerk ist ganz furchtbar“, sagt Jahncke. Auf der Warteliste stehen aktuell 26 Krippenkinder, dazu kommen 46 Kinder in den Elementargruppen. Seit vielen Monaten nutzt die Vorschulgruppe einen Raum im Dörphus. „Für zehn Kinder wird der Krippenplatz dringend gebraucht, alle anderen haben wir vertröstet“, bedauert Jahncke. „Man wird als Eltern so hingehalten“, sagt die zweifache Mutter Verena Gärtner. Ihr kleinstes Kind ist zweieinhalb Jahre alt. „Wir haben einfach schon resigniert. Eine Entscheidung wird nicht herbeigeführt“, bestätigen auch Malte und Käthe Iligmann. Die Mutter sieht sich gezwungen, ihre Elternzeit kurzfristig zu verlängern. „Ich muss arbeiten und habe eine Tagesmutter außerhalb von Großensee gefunden“, erwähnt Sina Landwehr, die neben einem 13 Monate alten Kind auch ein Sechsjähriges hat. „Wir können uns auf die terminlichen Aussagen des Bürgermeisters nicht verlassen“, lautet der Tenor.

Bauantrag war mangelhaft


Warum die Eltern weiterhin warten müssen, hat planerische Gründe. Verzögerungen hat es schon gegeben, als erst am 15. April der Bauantrag gestellt wurde, der von der Genehmigungsbehörde als „mangelhaft“ deklariert wurde – das Architekturbüro ist in Niedersachsen und hat nicht alle Vorschriften berücksichtigt. „Am 28. September sollte Baubeginn sein. Wir waren eigentlich frohen Mutes“, erklärte Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers (BfG) in der Gemeindevertretersitzung. Er will die Kosten, die der Gemeinde für Ausgleichszahlungen entstehen, wenn Eltern einen Platz in anderen Kitas finden, dem Architekturbüro in Rechnung stellen. Doch der Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Planungsbüro scheint lückenhaft, denn so richtig ins Stocken geraten ist das Bauvorhaben dadurch, dass jetzt der 150 Quadratmeter große Krippenanbau plötzlich rund 35 Prozent teurer werden sollte, also auf 419.000 Euro „explodierte“ und das plus Planungskosten. Michael Prang (CDU) kritisierte den Bürgermeister für die Unterzeichnung eines nicht juristisch geprüften Architektenvertrags. Ebenso verständnislos reagierte Norbert Paech (CDU): „Die zeitliche Verzögerung ist unbegreiflich“. Auch Reinhard Kaulbarsch (BfG) bemängelte den Architekten, der nicht nach allen technischen Regeln und Vorschriften geplant habe.

Bürgermeister bleibt bei Planungsbüro


Damit keine zusätzlichen Kosten entstehen, möchte der Bürgermeister bei dem bisherigen Planungsbüro bleiben: „Wenn nichts passiert, beschreiten wir andere Wege.“ Warum der Anbau so teuer werden soll, scheint rätselhaft, wenn im Vergleich dazu vor drei Jahren die Kita „Löwenhertz“ in Trittau mit einer fünffachen Nutzfläche für sechs Gruppen in massiver, funktionsfertiger Bauweise fristgerecht zu einem bereits vorher bestätigten Festpreis bei sechs Monaten Bauzeit 910.000 Euro gekostet hat.
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