„Märchen sind Nahrung für die Seele“

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Lieselotte Jürgensen erzählt am zweiten Advent wieder im Bargteheider Museum. „Es geht um Puppen, aber mehr verrate ich nicht“, sagt sie Foto: cs

Lieselotte Jürgensen (66) ist Bargteheides Märchenerzählerin

Bargteheide. Über 200 Märchen umfasst ihr Repertoire. Die Wände im Arbeits- und Wohnzimmer von Liselotte Jürgensen sind gefüllt mit über 1000 Büchern. „Märchen sind Nahrung für die Seele“, sagt sie. Die 66-Jährige ist Bargteheides anerkannte Märchenerzählerin. Regelmäßig verzaubert sie Zuhörer in Kindergärten, Seniorenanlagen, im Museum oder in Buchhandlungen mit ihren Geschichten.
Eine besondere Gabe
Durch ihre Erzählung schafft es Lieselotte Jürgens, einen magischen Ort zu schaffen. Wer Märchen erzählen kann, hat eine ganz besondere Gabe. Das dachte sich auch Lieselotte Jürgensen, als sie beim Bergedorfer Märchenfestival einem anderen Erzähler lauschte. „Da habe ich gedacht: „Ach, das möchtest du auch können“, erinnert sich die 66-Jährige. Das ist mittlerweile zwölf Jahre her. Die gelernte Bibliothekarin hat immer viel gelesen, auch vorgelesen, aber das Erzählen musste sie sich zunächst aneignen.
„Märchen brauchen immer einen ganz besonderen Rahmen, einen Raum, in dem man der Phantasie freien Lauf lassen kann.“ Zur Einstimmung, quasi als Reise ins Märchenland, spielt die 66-Jährige eine Melodie auf ihrer Mundharmonika und schnell ist ihr die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer gewiss, egal wie alt sie sind.
„Beim Erzählen entsteht ein ganz direkter Kontakt zu den Zuhörern, davon lebt die Geschichte“, erzählt die Rentnerin.
Keine ihrer Geschichten hat Lieselotte Jürgensen auswendig gelernt. Die Märchenerzählerin verpackt die Erzählung in ihre
eigenen Worte. „Ich muss mir die Märchen regelrecht erarbeiten“, verrät sie. Dafür liest die Rentnerin ein und dasselbe Märchen in verschiedenen Versionen, anschließend macht sie sich Stichworte. Handlungsabläufe und Personen fasst sie in langen Tabellen zusammen. Wenn Lieselotte Jürgensen das Märchen verinnerlicht hat, erzählt sie es sich mehrfach selbst und nimmt sich dabei auf. So kann die Erzählerin ihre Worte immer wieder anhören und daran feilen. „Das ist ein langer Prozess, bis ich mit mir selbst zufrieden bin.“
Märchen haben ihr Leben verändert
Märchen haben das Leben der zweifachen Mutter verändert. „Und auch wenn sie hunderte von Jahren alt sind, haben sie auch für die heutige Zeit viel Wahres im Gepäck.“
Ihr Lieblingsmärchen kommt aus Ostpreußen und ähnelt dem Froschkönig. Für die Bargteheiderin ist das Märchenerzählen mehr eine Berufung, als ein Beruf. Noch immer ist sie vor jedem Auftritt aufgeregt und überrascht, dass sie es schafft, die Zuhörer souverän in ihren Bann zu ziehen. „Ich war mal sehr schüchtern“, erinnert sie sich. Heute spricht sie vor viele Zuhörern. Am zweiten Advent erzählt sie im Bargteheider Museum. Zunächst wird sie 3. November das erste Mal auf dem Bergedorfer Märchenfestival sein– dort wo alles begann.(cs)
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