Mamas in der Schulküche

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Ute Riethling kocht an der Schule ihrer Kinder ehrenamtlich Mittagesssen Foto: cs

Ohne Eltern gebe es am KGB keine Mensa. Ehrenamt ist vielerorts unverzichtbar

Von Christina Schlie
Bargteheide
Wenn die Pausenglocke schellt, versammeln sich viele hungrige Schüler vor der Mensa im Kopernikus-Gymnasium. Für die vier Mütter, die an diesem Tag für das Mittagessen verantwortlich sind, wird es dann hektisch. 120 Personen müssen verköstigt werden. Ein Gericht mit Nachtisch und Getränk darf nicht mehr als zwei Euro kosten. Bereits seit mehr als 20 Jahren sind die Kochmütter am KGB eine feste Institution. Vor sieben Jahren haben sie sich zum Verein „Kochen am KGB“ zusammengeschlossen, um wirtschaftlicher arbeiten zu können. Ohne das ehrenamtliche Engagement der Eltern und Großeltern gäbe es am Gymnasium keinen eigenen Mittagstisch.

Eltern organisieren viele Angebote selbst


So wie am Kopernikus-Gymnasium gibt es viele ehrenamtlich engagierte Eltern, die Schulen und Kindergärten unterstützen und so grundlegende Bereiche im Alltag am Leben erhalten. Über 34.000 Schulfördervereine sind nach Angaben der Stiftung für Bildung bundesweit aktiv. Tendenz steigend. In über 80 Prozent aller Schulen werden Freizeitaktivitäten, Mensa-Essen oder zusätzliche Bildungsangebote von Eltern organisiert. Es ist der enge Kontakt zur Schule und den Lehrern, die Chance mit zu gestalten, beschreibt Ute Riethling die Gründe für ihr Engagement. Die Kochmutter hat zwei Kinder auf dem Gymnasium.
Einen Großteil des Freizeit- oder Förderprogramms an Schulen wird durch freiwillige Fördervereine organisiert und finanziert. „Schulvereine sind für den Schulalltag ungeheuer wichtig“, sagt auch Brigitte Menell, Schulleiterin am KGB. „Die Schule ist für das pädagogische Konzept verantwortlich, die Schulvereine übernehmen in ergänzenden Bereichen die finanzielle Verantwortung.“ Ohne den Schulverein gäbe es das Konzept der Bläserklasse und die zur Verfügung gestellten Instrumenten am KGB nicht. An der Stormarnschule in Ahrensburg hat der Schulverein in den vergangenen sieben Jahren alle Klassenräume mit modernen Bildkameras ausgestattet. Dass man mit Anschaffungen dieser Art die Städte als Schulträger aus ihrer Pflicht nimmt, sieht Christine Meß, 1. Vorsitzende des Vereins der Freunde, nicht. „Sicherlich hat die Stadt die Aufgabe, sich um die Ausstattung der Schulen zu kümmern, warum soll man sie dabei aber nicht unterstützen.
Schul- und Fördervereinen ist es aus rechtlichen Gründen oft leichter Honorarkräfte im sportlichen, kreativen oder musischem Bereich zu engagieren oder größere Anschaffungen zu finanzieren. „Schulvereine sind aus der Bildungslandschaft nicht mehr weg zu denken“, so Meß. Das unterstützt auch Brigitte Menell, die auf produktive Anregungen aus dem Schulelternbeirat nicht mehr verzichten möchte. Kürzlich wurden dort auf Anraten der Eltern Schüler zu Schulsanitätern ausgebildet. Dr. Michael Eckstein, im Vorstand der Bürgerstiftung Region Ahrensburg, ist Experte für das Ehrenamt. Er sieht das Engagement der Eltern ebenfalls als unverzichtbar an. Allerdings mehr in der Mitsprache und Mit-Entwicklung der pädagogischen Gestaltung, nicht vorrangig im „Essen kochen“. Dies sollte mehr als Anschub-Hilfe gesehen werden. „Einzelne finanzielle Hilfen sind nützlich und ergänzen staatliche Investitionen“, sagt Eckstein. Trotzdem beklagen die Aktiven einen Mangel an Nachwuchskräften. „Es sind immer die gleichen, die sich engagieren. Das ist traurig“, sagt Ute Riethling. Christine Meß: „Nur wenn Eltern Verantwortung übernehmen, kann das Angebot erhalten bleiben.“
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