Mastbetrieb spaltet Dorf

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In einem Mastbetrieb werden viele Schweine auf engstem Raum gehalten Symbolfoto: thinkstock
 
Während der Einwohnerversammlung diskutierten die Bürger angeregt Foto: bm

Experten, Kritiker und Befürworter diskutierten bei Treffen in Hoisdorf

Von Birgit Maurer
Hoisdorf
Dass es ein emotionaler Abend werden würde, sah man schon vor dem Restaurant „Landhaus“, in dem die Einwohnerversammlung zum Thema „Schweinemast“ stattfand. Die Unterstützer des Landwirts Jörg Elbers, um dessen Umzug von der Gemeinde an den Ortsrand in den Wastenfelder Redder diskutiert wurde, waren allesamt mit ihren Treckern gekommen, die am Dorfteich parkten. Teilnehmer, die später kamen, hatten Mühe, einen Parkplatz zu finden.
Im Saal teilten sich die „Lager“ ganz automatisch auf: In der einen Saalhälfte saßen die Gegner des Projekts und Mitglieder der Bürgerinitiative, auf der anderen die Kollegen von Elbers und andere Befürworter. Rund 300 Leute kamen zu der dreistündigen Versammlung, zahlreiche Besucher mussten stehen.
Die Vorgeschichte: Landwirt Jörg Elbers möchte seinen Hof aufgrund des Platzmangels an den Wastenfelder Redder verlagern, wo ihm ein Grundstück gehört. Dort sollen ein Wohnhaus, eine Maschinenhalle, ein Schweinestall für 1.460 Tiere sowie ein Güllebehälter entstehen.

Gegner gründeten Bürgerinitiative


Als die Pläne im Frühjahr 2014 bekannt wurden, übten Nachbarn und anderer Hoisdorfer Kritik. Einige Gegner der Mastanlage sammelten 900 Unterschriften, um die Pläne des Landwirtes zu verhindern. Später gründeten einige der Kritiker des Mastbetriebes die Bürgerinitiative (BI) „Keine-Schweinereien-in-Hoisdorf“.
Noch hat die Gemeinde das Einvernehmen nicht erteilt, da sie zunächst mit Jörg Elbers eine Vereinbarung über die Übernahme der Kosten für den Ausbau der Zufahrt zum Gelände treffen möchte.
Vergangene Woche lud Bürgermeister Dieter Schippmann zu einer Einwohnerversammlung ein, in der sich neben dem Bürgermeister, der Landwirt Jörg Elbers sowie Experten und Unterstützer des Vorhabens des Landwirtes den Fragen der Bürger stellten. Dabei waren unter anderem Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, die leitende Verwaltungsbeamtin Susanne Kuplich sowie Dr. Michaela Dämmrich, Amtstierärztin in Lübeck und Kreistagsabgeordnete der Grünen anwesend. Schnell wurde deutlich, dass es so schnell keine Einigung geben wird. Die Wortführer der Bürgerinitiative brachten noch einmal ihre Bedenken vor. Das Wohl der Tiere sei in einer Mastanlage nicht gewährleistet, sie fürchten zudem eine Lärm- und Geruchsbelästigung.

B

etrieb nur mit vielen Tieren rentabel


Jörg Elbers hielt dagegen. Da der Markt an Bioprodukten gesättigt sei, wäre es für ihn unrentabel, einen Bio-Betrieb zu eröffnen. Peter Koll verwies darauf, dass die Nutztierhaltungsverordnung auch Großbetrieben Vorgaben beispielsweise über den Auslauf der Schweine macht. Die Landwirte seien heute zum täglichen Monitoring verpflichtet und würden überprüft.
Professor Hellmuth appellierte an die Bewohner der Gemeinde, eine gemeinsame Lösung zu finden. Das betonte auch mehrfach Olaf Beier, Chef einer Gärtnerei am Sieker Berg, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft von dem Grundstück befindet,auf dem die Mastanlage entstehen soll. Beier bezeichnete sich selbst als Landwirt und suchte das Gespräch mit Elbers. Zudem regte er an, das alle Hoisdorfer für eine Filteranlage sammeln sollten, damit der Schweinebauer diese einbauen könne.

Abdeckung für Güllebehälter


Auch Elbers versuchte auf die Gegner seines Betriebes einzugehen und bot an, den Güllebehälter abzudecken, um den Geruch einzudämmen. Zudem führte er an, dass er Antibiotika nur kranken Tieren verabreiche. Bürgermeister Dieter Schippmann teilte mit, dass ein zweites Lärmgutachten in Auftrag gegeben wurde, da die BI die Richtigkeit des ersten angezweifelt hatte. Es besagte, dass alle gesetzlichen Abstände eingehalten würden, damit die Lärm- und Geruchsemission den Vorgaben entspreche. „Die Landwirte gehören in die Dörfer. Wenn ich von der Stadt aufs Land ziehe, muss ich mich anpassen“, sagte Michael Groß. Er sei vor einiger Zeit aus Hamburg in die Gemeinde gezogen und können die Argumente der Bürgerinitiative nicht nachvollziehen.
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