Missbrauchsfälle aufarbeiten

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Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann (Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost), Ursula Enders (Unabhängige Expertenkommission), Frank Zabel (Pressesprecher Nordkirche) Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck) Anselm Kohn (Vorsitzender ´Missbrauch in Ahrensburg e.V.).Foto: hfr

Expertenkommission untersucht Fälle sexualisierter Gewalt in Ahrensburg

Hamburg/ Ahrensburg. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland hat gemeinsam mit dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle (insbesondere in der Kirchengemeinde Ahrensburg) eingesetzt.

Zeitgleich beschloss die Nordkirche ein Verfahren für individuelle Unterstützungsleistungen für Missbrauchsopfer. Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck) hat Anfang September in Hamburg die beiden Konzepte vorgestellt. „Wir wollen uns auseinandersetzen, nicht distanzieren“, sagte die Bischöfin. Es soll eine möglichst nachhaltige und präventiv ausgerichtete Aufarbeitung der Auswirkung sexuellen Missbrauchs in Kirchengemeinden erreicht werden.

Zur Kommission gehören Ursula Enders (Mitbegründerin und langjährige Leiterin von ‚Zartbitter Köln‘ e.V.), Prof. Dr. Julia Zinsmeister (Professorin für Zivil- und Sozialrecht, Köln), Petra Ladenburger (Rechtsanwältin), Martina Loersch (Rechtsanwältin), und Dr. Dirk Bange (Erziehungswissenschaftler).
Eine traumatisierte Institution könne eines nicht leisten – und das ist, sich selbst zu analysieren. Dafür müsse eine unabhängige Kommission aus Experten eingesetzt werden.
„Ich bin erleichtert, dass die Aufarbeitung von dieser Seite nun vertieft wird“, sagt Bischöfin Fehrs. „Wir müssen unbedingt mehr Einsichten gewinnen, wie ein ganzes ‚System Missbrauch‘ entstehen kann.“ Sich auseinanderzusetzen und nicht zu distanzieren gelte auch für die Unterstützungsleistungen für Opfer in Anerkennung ihres Leids.


Sexualisierte Gewalt dokumentieren
Kommissionsmitglied Ursula Enders: „Die Nordkirche dokumentiert nicht nur die Fälle, sondern nimmt die Auswirkungen sexualisierter Gewalt auf die Gemeinde und die Institution in den Blick.“
Individuelle Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen für Missbrauchsopfer werden künftig in einem zweistufigen Verfahren entwickelt. Zunächst wird eine Beratungsmöglichkeit angeboten, in deren Rahmen so genannte „Lotsen“ die Betroffenen informieren und mit ihnen gemeinsam sehr konkrete Unterstützungsleistungen erarbeiten werden.
Die „Lotsen“ kommen aus verschiedenen Bereichen der Opferhilfe und begleiten die Betroffenen während des Verfahrens. Anschließend wird eine vierköpfige Kommission mit den Betroffenen individuelle Unterstützungsleistungen vereinbaren.
Bischöfin Fehrs: „Das Leid der Opfer ist ein lebenslanges Leid, das in keiner Weise finanziell entschädigt werden kann. Trotzdem muss es eine Anerkennung des erlittenen Leides und die Übernahme der Verantwortung kirchlicher Verfehlungen geben. Deswegen haben wir gemeinsam mit Opfern, Opferverbänden und insbesondere dem Verein ‚Missbrauch in Ahrensburg‘ an diesem Konzept gearbeitet.“


Wichtiger Meilenstein in der Aufarbeitung
„Durch die neuesten Beschlüsse der Kirchenleitung der Nordkirche sehen wir uns an einem wichtigen Meilenstein auf dem Weg der Aufarbeitung“, sagt Anselm Kohn, erster Vorsitzender des Vereins Missbrauch in Ahrensburg und Vertreter der Initiative Missbrauch in Ahrensburg. „ Der Weg hierher war kein leichter. Darum begrüßen wir es, dass nach 30 beschwerlichen Monaten ein neuartiger und hoffentlich heilsamer Umgang mit dem Ahrensburger Fall gefunden wurde. Wir werden weiterhin den Prozess intensiv begleiten und stehen Ratsuchenden auch persönlich und selbstverständlich vertraulich zur Verfügung.“
Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann: „Wir freuen uns insbesondere darüber, dass es gelungen ist, den Betroffenen von Missbrauch in unserer Nordkirche eine angemessene Unterstützung für ihr erlittenes Leid eröffnen zu können, hierauf hatten wir mit Blick auf Ahrensburg von Beginn an unser Augenmerk gerichtet. Von der mit ausgewiesenen Fachleuten ausgestatteten Kommission versprechen wir uns als Kirchenkreis auch Hinweise für unser Präventionskonzept, an dem wir seit mehr als einem Jahr intensiv arbeiten.“ So werde auch dem Wunsch der Gemeinde Ahrensburg nach Aufarbeitung und Unterstützungsleistung angemessen Rechnung getragen.“ (hfr)
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