Musikalischer Wanderer zwischen den Welten

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Straßenmusiker Jewgenij Tschi spielt Klassik, aber auch Rockmusik Foto: Keil

Der Musiker vom Rondeel: Was Jewgenij Tschi aus Sibirien mit Tennis verbindet

Ahrensburg. Harmonische Gitarren-Klänge breiten sich auf dem Rondeel aus. Dort sitzt Jewgenij Tschi und spielt auf seiner Gitarre Brahms. Nicht nur sein gekonntes Spiel mitten in der Stadt ist ungewöhnlich. Auch der Musiker und sein Lebensweg.
Der Mann, der zwölf Jahre lang Chorleiter in seiner russischen Heimat in Sibirien war und vier Jahre lang klassische Gitarre studierte, tritt mit seiner Band „Oncle Go“ in Russland auf und stammt aus Barnaul, der Hauptstadt der Region Altai. Im fernen Westsibirien, rund 6000 Kilometer von der Schlossstadt entfernt, liegt Tschis Heimat. Hierhin reist der Musiker alle paar Monate, denn sein Visum erlaubt ihm keinen längeren Aufenthalt in Deutschland.

Sohn sportlich erfolgreich

Eigentlich sei er als Manager seines Sohnes Ignat in Europa unterwegs, berichtet Tschi. Der
19 Jahre alte Tenniscrack gewann gerade ein Turnier in Ahrensburg-Ahrensfelde. „Das Preisgeld betrug 100 Euro für ihn“, sagt Tschi. Man merkt ihm dabei an wie stolz er auf den jungen Mann ist. Sein wichtigstes Ziel sei nun, zunächst die deutsche Sprache noch besser zu beherrschen. „Es fehlt mir an Grammatik, und Deutsch ist eine schwierige Sprache“, sagt Tschi. Gute Deutschkenntnisse sind zudem die Bedingung für ein Visum, das ihm zugleich erlaubt, in Deutschland zu arbeiten.

Musiker mit großen Zielen

Denn der Musiker aus Leidenschaft, der in seiner Heimatstadt eine Musikschule unterhält, hat große Ziele. Er möchte ein Konzertfestival initiieren, das weltweit auftritt. Auch im Altai-Gebirge, dort wo Tschi gern zusammen mit zwei Schamanen auf original mongolischen Instrumenten musiziert.
Der 47-Jährige ist sehr kreativ. „Ich schreibe jeden Tag Gedichte in meiner Muttersprache.“ Überdies komponiert er Musik und mysthische Weisen, mit denen er gerade eine CD aufgenommen hat.

„Musik ist Meditation“
Jewgenij Tschi


„Musik ist Meditation – sie ist gut für die Seele und wirkt wie eine Therapie“, sagt Tschi. Er habe als kleiner Junge die ersten Akkorde von anderen Jungen gelernt, berichtet der Musiker. Später schickten ihn seine Eltern zum Musikunterricht. Sie wollten, dass er Bajan lernt, ein spezielles Akkordeon. Doch Jewgenij gefielen die Klänge der vom damaligen Sowjetregime verbotenen Rockgruppen besser. Und er spielte sie gemeinsam mit den gleichaltrigen Jungen. Später brachte ihn sein Talent sogar auf das Konservatorium in Barnaul. Tschi lernte klassische Gitarre und Dirigieren.
Trotz seiner launigen Erzählungen und Fröhlichkeit, kann der Zuhörer die Schwierigkeiten im Leben der dreiköpfigen Familie erahnen, die zwischen Sibirien und Schleswig-Holstein pendelt, bei Freunden wohnt, das Geld für die Reisen aufbringen muss und auch die Deutschkurse selbst zahlt. Bei allem Schwärmen für Musik, Konzerte, neue Projekte und ferne Träume, bleibt Tschi realistisch. „Ich muss zuerst die Zukunft meiner Familie und die meines Sohnes sichern.“ Dann greift der Mann wieder zu seiner Gitarre – und fängt an gedankenverloren zu spielen – diesmal sind es spanische Romanzen. (kei)
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