(Nat)Urwald in Stormarn

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Förster Michael Hansen beim Kontrollgang durch den herbstlich gefärbten Hahnheidewald Foto: cy

Hahnheide: 270 Hektar bleiben sich selbst überlassen. Chancen und Risiken

Von Cetin Yaman
Trittau. 150 Hektar Naturwald gibt es schon in der Hahnheide, nun sollen 120 Hektar hinzukommen. In 60 bis 80 Jahren soll dann der vor
dreißig Jahren begonnene Prozess abgeschlossen sein und Stormarn einen Urwald besitzen. In diesem Bereich soll sich dann die größte Naturwaldfläche Schleswig-Holsteins befinden. Das entschied das schleswig-holsteinische Umweltministerium. Das erste Gebiet wurde bereits 1985 ausgewiesen. Da war der zuständige Förster Michael Hansen bereits im Amt.
Damit sollen Wälder ohne Einfluss des Menschen alt werden und die darin lebenden Tiere, vor allem Käfer optimale Bedingungen erhalten. Durch diese ungestörten Prozesse werde mehr Naturnähe erreicht. In Naturwäldern werden die Bäume auch nicht forstwirtschaftlich genutzt, selbst wenn sie absterben und umfallen. Kritiker sehen darin aber vor allem eines: eine Entmündigung der Förster und eine suboptimale Entwicklung für den Wald. Michael Hansen erinnert daran, dass der Mensch schon immer korrigierend in die Vegetation eingegriffen habe.

Mehr Buchen als Eichen

Außerdem gibt es eine Entwicklung, die zu einer Artenverarmung in der Flora führen wird, warnt der Hahnheider Förster: „Am Ende dieses Prozesses wird die Buche alle anderen Bäume dominieren“, sagt Hansen. „Fichten, Douglasien und Kiefern, die in diesen Breitengraden nicht ursprünglich sind, werden verschwinden. Auch der Eichenbestand wird stark zurückgehen“. Dies wird ein langer Prozess, die ersten Urwaldeindrücke werden 2020 sichtbar sein,
fügt er hinzu. „Einen Naturwald erkennt man zum Beispiel
an der Anzahl von Mittelspechten und Fledermäusen. In der Fläche in der Hahnheide, die Mitte der 80er-Jahre als Naturwald ausgewiesen wurde, ist das noch nicht der Fall, daran kann man sehen, wie lange diese Prozesse dauern werden“. Im Bayerischen Wald, in Deutschlands erstem Nationalpark, der vor 44 Jahren gegründet wurde, wird bis heute über den „Urwald“ gestritten. Zeitweise sorgte massiver Borkenkäferbefall dort für große Probleme.
Ob Naturwald oder nicht, in der insgesamt 1.400 Hektar großen Hahnheide müssen immer noch Bäume abgesägt werden – aus Gründen der Verkehrssicherung.
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