Neue Heimat Bargteheide

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Mutter Leila (50) und Hedi (24) haben eine abenteuerliche Flucht aus Tschetschenien hinter sich Foto: cs
 
Eugen und Ursula Frank (v.l.) mit Dr. Nicolas Krifenko. Sie kümmern sich ehrenamtlich um das Wohl der Flüchtlinge Foto: cs

Worauf sich eine tschetschenische Flüchtlingsfamilie freut

Von Christina Schlie
Bargteheid
e Ob aus dem Kosovo, Albanien, dem Jemen oder Eritrea, die Familien, die in einer der Flüchtlingsunterkünfte in Bargteheide leben, kommen alle aus demselben Grund nach Deutschland: Sie wünschen sich eine sichere Zukunft für sich und ihre Kinder.
In Bargteheide leben zurzeit 50 Asylbewerber/Flüchtlinge und weitere 50 werden bis Ende des Jahres erwartet.
So auch Leila, die gemeinsam mit ihrer Tochter Hedi aus Tschetschenien in Norddeutschland Zuflucht gesucht hat. Die Gefahren der strapaziösen Reise, die Angst und Ungewissheit spiegelt sich im Gesicht der Mutter wieder, wenn sie sich an die vergangenen Monate erinnert. Seit Mitte November sind Mutter und Tochter in Bargteheide. Ob sie ihr Ziel erreichen, war für sie lange Zeit ungewiss. Doch die Aussicht, ihre schwerverletzte Tochter vor der allgegenwärtigen Gefahr in Grosny zu schützen, trieb Leila an. Über Moskau nach Polen, versteckt hinter Containern, ausgeliefert dem Vertrauen zwielichtiger Schlepperbanden schafften Mutter und Tochter den Weg ins Aufnahmelager in Neumünster. Hedi, die seit einem Übergriff der tschetschenischen Polizei vor drei Jahren im Rollstuhl sitzt und ihre Beine nicht mehr bewegen kann, überstand die Reise nur unter starken Beruhigungsmitteln. Nun leben die Frauen gemeinsam mit vier weiteren Familien in einem Haus, dass die Stadt für die Flüchtlinge bereitgestellt hat.

Mülltrennung ist neu


Hedi und Leila, beide studierte Lehrerinnen, haben sich gut in ihrer neuen Heimat eingelebt. Sie lernen Deutsch, knüpfen soziale Kontakte und versuchen die Gepflogenheiten ihres neuen Zuhauses zu verstehen. „Mülltrennung ist allerdings noch ein sehr schwieriges Thema“, sagt Ursula Frank. Die 64-Jährige kümmert sich seit ihrer Pensionierung ehrenamtlich als Familienpatin um die Asylbewerber in dem Haus, in dem auch Hedi und Leila leben.
Hedi hat Glück, denn mit
Dr. Nicolas Krifenko, hat sie nicht nur einen russisch-sprachigen Dolmetscher an ihrer Seite, der ehrenamtliche Pate ist auch Spezialist auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie. Er kümmert sich um alle nötigen Untersuchungen und Therapiemöglichkeiten für die junge Frau im Rollstuhl.
„Hedi stehen noch einige Operationen bevor, aber es scheint nicht ganz aussichtslos, dass sie vielleicht irgendwann wieder laufen kann“, sagt der Arzt. Auch hier ist Hedi sehr ehrgeizig und macht ihre Übungen und hoffe, irgendwann einmal wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Hedi kann sich ein Leben in Deutschland gut vorstellen.

Chance, hier zu bleiben


Bereits in Tschetschenien war sie an der deutschen Sprache und Kultur interessiert, hat sogar ein Semester lang deutsche Grammatik belegt. Leila hingegen ist einfach nur glücklich über die positiven Veränderungen im Wesen ihres Kindes. „Endlich kann meine Tochter wieder lächeln“, sagt die 50-Jährige. Ihre Sicherheit ist alles, was für die Mutter zählt. Ihr selbst fehlen die eigenen Eltern und Leilas Vater, der kurz nachdem sie in Neumünster angekommen waren starb.
Nicht alle, die nach Deutschland kommen haben eine Chance darauf, langfristig zu bleiben. „Für Hedi und Leila stehen die Chancen recht gut politisches Asyl zu bekommen“, prognostiziert Krifenko.
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